DFB-Frauen – die Suche nach den Stützen im WM-Qualifikationsspiel gegen Portugal

Es ist ein Zeichen von Wertschätzung: Die deutsche Frauen-Nationalmannschaft wird das erste Team sein, das die schmucken Rasenplätze auf dem derzeit noch im Bau befindlichen DFB-Campus in Frankfurt im Sommer in Betrieb nimmt.

Der Deutsche Fußball-Bund (DFB) hat nun bestätigt, dass die DFB-Frauen vom 5. bis 9. Juni das Trainingsareal auf der ehemaligen Galopprennbahn als Premierengäste nutzen. Auf dem Hybridrasen direkt vor der riesigen Glasfront der Trainerbüros sollen die DFB-Frauen ihren ersten Lehrgang für die EM in England (6. bis 31. Juli) abhalten – erst danach wird der gesamte Komplex am 1. Juli offiziell eingeweiht.

EM-Gruppe hat Tücken

Derzeit bereiten sich die deutschen Fußballerinnen in Harsewinkel auf die WM-Qualifikationsspiele gegen Portugal in Bielefeld (Samstag 16.10 Uhr/live ARD) und drei Tage später in Serbien vor, um letzte Zweifel an der Qualifikation für die WM 2023 in Australien und Neuseeland zu beseitigen. Gleichzeitig sind die Spiele wichtige Tests für die in weniger als drei Monaten beginnende EM in England.

Die Führung aus der Direktion Nationalmannschaften ist überzeugt, dass die Vorbereitung darüber entscheidet, ob die DFB-Frauen nach zwei verpatzten Turnieren – Ausscheiden im EM-Viertelfinale 2017 und im WM-Viertelfinale 2019 – wieder in die Erfolgsspur finden.

Die Gruppe mit Vizeeuropameister Dänemark, Geheimfavorit Spanien und Außenseiter Finnland gilt als tückisch. Mindestens das Halbfinale, so lautet die Vorgabe von DFB-Direktor Oliver Bierhoff, soll aber trotzdem wieder herausspringen.

Leistungsstand schwer einzuschätzen

Doch es fällt immer noch immens schwer, das Leistungsvermögen einzuschätzen. Wo steht ein Ensemble, das beim Einladungsturnier in England mit nur einem Punkt hinter England, Spanien und Kanada als Letzter von der Insel zurückflog, aber in den Pflichtspielen unter Martina Voss-Tecklenburg sehr zielgerichtet seine Aufgaben erledigt?

Bei dieser Frage kommt auch die Bundestrainerin ins Grübeln. Über die ständigen Ausfälle möchte sie nicht jammern, “hoffentlich können wir vor der EM so in die Vorbereitung gehen, dass wir alle Spielerinnen dabei haben.”

Im Tor hat Almuth Schult ihren Stammplatz verloren

Eine Stammelf, geschweige denn ein Gerüst hat sich bislang nicht eingespielt. Das war vor der WM 2019, dem ersten Turnier unter Verantwortung von Voss-Tecklenburg noch anders: Beim Auftakt gegen China (1:0) stand im französischen Rennes eine Achse auf dem Rasen, von der knapp drei Jahre später nicht mehr viel übrig ist.

Von Torhüterin Almuth Schult über Abwehrchefin Marina Hegering, Taktgeberin Dzsenifer Marozsan bis hin zu Sturmführerin Alexandra Popp: An keiner dieser Spielerinnen kann sich das Team aktuell orientieren. Schult, bis vor drei Jahren noch die unumstrittene Nummer eins, ist nach Schulteroperation und Babypause im Anschluss an jenes Turnier hinter Merle Frohms nur noch die Nummer zwei. Es sieht stark danach aus, dass die 31-Jährige nur als Reservistin nach England reist.

Im WM-Qualifikationsspiel am Dienstag (16.00 Uhr) in Belgrad gegen Serbien soll Schult nach fast drei Jahren ihr Comeback geben. Dies kündigte Bundestrainerin Martin Voss-Tecklenburg bei einer Video-Pressekonferenz am Freitag an. “Ich möchte als Trainerin das Gefühl bekommen, wie Almuth mit der Mannschaft agiert, wenn sie auf dem Platz steht”, sagte Voss-Tecklenburg.

In der Abwehr ist Marina Hegering eine Wackelkandidatin

Ein Problemfall ist die Innenverteidigung: Hinter der zuletzt an Corona erkrankten Marina Hegering liegt eine längere Ausfallzeit wegen anhaltender Knieprobleme. Ob die von Voss-Tecklenburg hochgeschätzte 31-Jährige bis zur EM fit wird, weiß niemand. In der Abwehrzentrale ist ansonsten Lena Oberdorf vorgesehen, jedoch spielt die 20-Jährige beim VfL Wolfsburg meist im Mittelfeld.

Dort aber ist die deutsche Elf am besten besetzt: Lina Magull (FC Bayern), Sara Däbritz (Paris St. Germain) und Dzsenifer Marozsan (Olympique Lyon) haben bei Topklubs Führungsrollen inne. Und entsprechend selbstbewusst formulieren sie wie Marozsan auch ihre EM-Ziele. “Wir als Deutschland haben immer einen hohen Anspruch.”

Doch ein strapaziöser US-Abstecher und eine langwierige Oberschenkelverletzung haben auch Deutschlands beste Fußballerin aus der Spur gebracht. Die bald 30-Jährige findet es zwar wichtig, “erfahrene Spielerinnen im Team zu haben, genauso freue ich mich aber auch, dass neue, junge Talente dazugekommen sind.”

Im Angriff ist Alexandra Popp gerade erst zurück

Ein ständiges Hoffen und Bangen stellt mit Alexandra Popp die Kapitänin dar, die vor den wegweisenden WM-Qualifikationsspielen beim VfL Wolfsburg ein bemerkenswertes Comeback gefeiert hat und erstmals wieder als aktive Spielerin zur Nationalelf gereist ist.

Fast ein Jahr Zwangspause wegen einer hartnäckigen Knieverletzung (Knorpelabriss an der Kniescheibe) mitsamt Selbstzweifeln und Rückschlägen liegen hinter der 111-maligen Nationalstürmerin, deren früheren Stammplatz im Angriff Lea Schüller (FC Bayern) eingenommen hat, die auf eine gute Torquote kommt (24 Tore in 37 Länderspielen).

Popp ist derzeit eher als Allrounderin eingeplant, die vom defensiven Mittelfeld bis zum Sturmzentrum überall spielen kann. “Wenn es in der Reha irgendwo gehakt hat, habe ich an die EM gedacht, um wieder aufzustehen und weiterzumachen”, sagte die Kapitänin an ihrem 31. Geburtstag am Mittwoch (06.04.2022) bei einer digitalen Pressekonferenz aus dem Quartier in Haarsewinkel.

Noch sei sie körperlich nicht bei “100 Prozent, das ist aber völlig normal”. Fest steht, dass die Bundestrainerin ihr immer eine Tür offenhalten würde – die enge Verbindung der beiden ist verbürgt. “Es steht außer Frage, dass ‘Poppi’ außerhalb des Spielfelds total wichtig ist, aber auf dem Feld mindestens genauso. Sie möchte eine der prägenden Personen des Turniers werden. Hoffentlich bleibt sie gesund.” Nach dieser Aussage klopfte Voss-Tecklenburg gleich mal auf die Tischplatte vor ihr.

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