Macron und Le Pen in Stichwahl um Frankreichs Präsidentschaft

Stand: 10.04.2022 20:49 Uhr

Im Rennen um die Präsidentschaft in Frankreich können die Wähler bei der Stichwahl in zwei Wochen zwischen Amtsinhaber Macron und Le Pen entscheiden. Damit kommt es zu einer Wiederauflage des Duells von 2017.

Amtsinhaber Emmanuel Macron und die Rechtspopulistin Marine Le Pen ziehen bei der Präsidentschaftswahl in Frankreich nach den ersten Hochrechnungen in die zweite Runde ein. Macron kommt laut AFP nach ersten Angaben der Wahlforschungsinstitute auf 27 bis 29,7 Prozent der Stimmen. Damit liegt er in der ersten Runde vor der Rechtspopulistin Marine Le Pen, die demnach auf 23,5 bis 24,7 kommt.

An dritter Stelle liegt den Hochrechnungen zufolge Linkspopulist Jean-Luc Mélenchon mit zwischen 19,8 und 20,8 Prozent der Stimmen. Der rechtsextreme Publizist Eric Zemmour, der Le Pen zeitweise in den Umfragen überholt hatte, kommt abgeschlagen nur noch auf 6,5 bis 7,1 Prozent. Der grüne Kandidat Yannick Jadot erreicht ebenso wie die rechtskonservative Valérie Pécresse knapp fünf Prozent der Stimmen. Weit abgeschlagen ist die Sozialistin Anne Hidalgo mit etwa zwei Prozent. Für die beiden ehemaligen Volksparteien ist es das jeweils schlechteste Ergebnis in der Parteigeschichte.

Stichwahl am 24. April

Auch wenn viele Franzosen unzufrieden mit Macrons erster Amtszeit waren und er im Wahlkampf nicht begeisterte, profitierte der 44-Jährige von der Schwäche anderer Kandidaten und Wünschen nach Stabilität angesichts des Ukraine-Krieges. Die rechte Populistin Le Pen versuchte dagegen, mit gemäßigteren Tönen als früher zu punkten und inszenierte sich zugleich als Anwältin derjenigen, die unter der Inflation und steigenden Preisen für Strom, Sprit und Lebensmittel leiden. Die anderen Kandidaten spielten im Wahlkampf eine deutlich geringere Rolle.

Macron und Le Pen treten nun am 24. April gegeneinander an – eine Wiederauflage des Stichwahl-Duells von 2017, in dem Le Pen Macron letztlich klar unterlag. Umfragen sagten für dieses Mal aber einen deutlich knapperen Ausgang vorher. Immer wieder gewann in der Stichwahl der französischen Präsidentschaftswahl auch der Kandidat, der in der ersten Runde auf Platz zwei gelandet war.

Ein Sieg der 53-jährigen Le Pen wäre für Deutschland und Europa ein Schock mit bedeutungsschweren Folgen. Le Pen stellt die seit Jahrzehnten enge Zusammenarbeit mit Berlin in Frage und strebt eher nach Kooperation mit Euroskeptikern. In der Europäischen Union könnte Frankreich unter ihr vom Treiber zum Bremser werden, ganz anders als unter dem pro-europäisch engagierten Macron.

In der eskalierenden Krise zwischen dem Westen und Russland befürchten Europa und die USA mit ihr ein Bröckeln der festen Pro-Ukraine-Front.

Erste Kandidaten empfehlen Wahl von Macron

Die drei linken Kandidaten Jadot, Hidalgo und Fabien Roussel riefen umgehend dazu auf, in der zweiten Runde für Macron zu stimmen. “Weil es mein lebenslanges Engagement für die Republik ist und damit Frankreich nicht in den Hass aller gegen alle kippt, rufe ich Sie eindringlich dazu auf, am 24. April gegen die Rechtsextreme Marine Le Pen zu stimmen, indem Sie den Wahlzettel für Emmanuel Macron verwenden”, schrieb Hidalgo am Abend an ihre Unterstützer. Sie betonte, dass dies eine Entscheidung der Verantwortung sei, die ihre linke Überzeugungen nicht beeinflusse.

Die rechtskonservative Pécresse kündigte an, dass sie selber ihre Stimme Macron geben werde, verzichtete aber auf einen Appell an ihre Anhänger, von denen ein Teil Umfragen zufolge eher für Le Pen stimmen wird. Sie warnte vor “desaströsen Folgen für das Land und für folgende Generationen”, wenn Le Pen an die Macht käme. Frankreich würde dann von der europäischen und internationalen Bühne “weggewischt”.

Das Zemmour-Lager rief hingegen zur Wahl von Le Pen auf. “Emmanuel Macron ist der Hauptgegner”, sagte Le Pens Nichte Marion Maréchal, die Zemmour im Wahlkampf unterstützte, im Sender TF1. “Er ist der Präsident der massiven Einwanderung, der Präsident der Unsicherheit, der Präsident der Deindustrialisierung.” Es gebe also keinen Anlass zu zweifeln, wem die Wähler im zweiten Wahldurchgang ihre Stimme geben sollten.

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