Milliarden-Investition im spanischen Fußball – Eine neue Front im Machtkampf

Es laufen Bestrebungen, dass Spaniens La Liga die Nummer eins auf der Welt werden will. (picture alliance / DeFodi Images)

Es braucht nicht viel Fantasie, um sich auszumalen, was die Nutzer des Digitalangebots des amerikanischen Sportkanals ESPN+ besonders am spanischen Fußball interessiert. Ganz oben auf der Liste: Das Spiel FC Barcelona gegen Real Madrid aus dem Jahr 2016. Es folgt: FC Barcelona gegen Real Madrid von 2020. Platz drei: FC Barcelona gegen Real Madrid aus dem Jahr 2014.

Außerhalb von Spanien ist offensichtlich in erster Linie das Duell der beiden Clubs die Attraktion. Der Klassiker schlechthin, wie man ihn schon nannte, ehe der amerikanische Fernsehsender vor einem Jahr für stolze 1,4 Milliarden Dollar die Rechte an La Liga übernahm. Eine Rivalität mit historischen und politischen Wurzeln, die sich bestens vermarkten lässt. Genannt: “El Clásico”.

“Ramón Mendoza, der ehemalige Präsident von Real Madrid, sah in dem Ganzen vor allem einen Mythos. Eine Geschichte, die beiden Teams sehr behagt,” hat der englische Fußballjournalist und Buchautor Sid Lowe vor ein paar Jahren in einem Dokumentarfilm der Reihe “Derby Days” gesagt. “Die Rivalität half ihnen, einen Narrativ zu schaffen. Eine Geschichte, die den Rest Spaniens und der Liga in den Schatten stellt.”

Ein Schatten, der auch deshalb so dunkel wirkte, weil die Liga keine kollektiven Fernsehverträge mit ausländischen Anbietern besaß, sondern es einzelnen Clubs überließ, ihre eigenen Abmachungen zu treffen. Ein Resultat des Sinneswandels vor wenigen Jahren war die Zusammenarbeit mit der Relevent Sports Group in New York, dem Erfinder von lukrativen Sommer-Showturnieren wie dem International Champions Cup. Es folgte 2021 der Vertrag mit ESPN. Laufzeit acht Jahre und, so La-Liga-Geschäftsführer Javier Tebas, eine Plattform, sich zur internationalen Nummer eins zu entwickeln und den Spitzenreiter im Vermarktungsgeschäft, die englische Premier League, zu überholen.

Ein Projekt, das allerdings nur dann funktionieren kann, wenn man eine Absplitterung verhindert, wie sie den geistigen Vätern der Super League vorschwebt. Die hatte im letzten Jahr aufgrund von massiven Protesten vor allem aus England scheinbar Schiffbruch erlitten. Tebas klang damals zuversichtlich, als er bei einer Pressekonferenz sagte: “Ich glaube, die Gefahr ist erst einmal für längere Zeit gebannt.”

Vertrag mit größtem Anlagekapital-Giganten der Welt

Schon wenige Wochen später räumte er ein, dass das Konzept “Super League” wohl doch nicht tot sei. Aber er und seine Mitstreiter haben offensichtlich einen Dreh gefunden, den Abtrünnigen Sand ins Getriebe zu werfen: ein Vertrag mit einem der größten Anlagekapital-Giganten der Welt – CVC Capital Partners, der seit einiger Zeit nach Renditemöglichkeiten im Fußball sucht.

Das Engagement im Club-Fußball von Anlegern ist nicht neu. Neu ist der Einstieg auf der nächst höheren Ebene – einer ganzen Liga. Die italienische Serie A und die Deutsche Fußballliga lehnten solche Offerten ab. Die Verantwortlichen von La Liga sahen eine Chance im Abwehrkampf gegen Madrid und Barcelona. Die Geldspritze von zwei Milliarden Euro, durch die CVC 8,2 Prozent der Vermögensanteile an der Liga übernimmt, gibt kleineren Vereinen die Möglichkeit, Geld in die Modernisierung ihrer Stadien zu stecken. Sie hilft bei der Orientierung auf eine stärkere, weltweite Vermarktung. Und sie treibt die Top-Clubs argumentativ in die Enge, die von der Idee einer exklusiven europäischen Super League nicht ablassen wollen.

Tebas hat ein klares Bild von der Auseinandersetzung, wie er im letzten Monat auf einer Konferenz der Londoner “Financial Times” erneut deutlich machte. Sie sagen, sie treten nicht gegen die nationalen Ligen an. Ich fühle mich beleidigt und gedemütigt. Das Problem ist nicht der Wettbewerb selbst, sondern wer in der Welt des Fußballs das Sagen hat. Florentine Perez von Real Madrid hat bereits gesagt: Sie wollen bestimmen. Aber die anderen Vereine sollten sich keine Sorgen machen, sie würden uns das überlassen, was übrig bleibt.”

Madrid und Barcelona sind gegen die Investition

Madrid und FC Barcelona waren gegen die Investition, aber verloren im Dezember bei der ligainternen Abstimmung gegen eine überwältigende Mehrheit. Nun kämpfen sie vor Gericht weiter. Seit Februar unterstützt vom spanischen Fußballverband. Die riesige Kapitalanlage-Firma nütze nur die aktuellen wirtschaftlichen Probleme der Clubs aus, die aufgrund der Covid-Krise in der letzten Saison 733 Millionen Euro Minus gemacht hatten, sagen die Funktionäre. Besonders anrüchig: die Laufzeit des Vertrags von 50 Jahren.

Aber ist das wirklich der Hauptgrund für die heftige Gegenwehr? Kenner der Materie wie Sid Lowe, dessen Buch über die Rivalität zwischen Real und Barca – Titel: “Fear and Loathing in La Liga”, selbst längst ein Klassiker ist, sind sich nicht so sicher. Er mutmaßte vor ein paar Monaten gegenüber dem Fernsehsender ESPN: “Sportjuristen, die sich mit der Materie auskennen, kommen im Grunde alle zum gleichen Schluss. Irgendwo in dieser Vereinbarung muss es eine Art Verpflichtung geben, sich nicht abzuspalten oder eine europäische Superliga zu gründen.” 

Kaum Nutzen für den Fauenfußball

Etwaige Details zu diesem Aspekt sickerten bislang jedoch nicht an die Öffentlichkeit. Was allerdings klar zu sein scheint: Die Investition bringt dem Frauenfußball in Spanien rein gar nichts. Oder genauer gesagt: nur 4,5 Million Euro. Ein Tropfen auf einen heißen Stein. Und das, obwohl Barcelona über eine der derzeit erfolgreichsten Mannschaften verfügt, die schon 60.000 Zuschauer ins Stadion bringen konnte und mit Alexia Putellas die Weltfußballerin des Jahres 2021 in ihren Reihen hat.

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