Ohne Stürmer gegen Barcelona? Eintracht Frankfurt feilt an Taktik

Als Eintracht Frankfurt vor ziemlich genau drei Jahren letztmals im Viertelfinale der Europa League stand, drehte sich im Vorfeld der Partie vieles um die Besetzung im Sturm. Das große Thema damals: Ante Rebic, der Pokalheld, hatte sich im Bundesliga-Heimspiel gegen Hoffenheim das Knie verdreht und fiel für beide Duelle mit Inter Mailand aus. Die Büffelherde war gesprengt, den Angriff bildeten letztlich “nur” Sébastien Haller und Luka Jovic. Lange ist’s her. Und die Probleme von damals aus heutiger Sicht der pure Luxus.

Vor dem Duell mit dem FC Barcelona sind die Hessen nämlich wieder einmal auf verzweifelter Suche nach etwas Torgefahr. Die Mannschaft von Trainer Oliver Glasner hat nach 28 Bundesliga-Spieltagen gerade einmal 39 Tore erzielt, das sind 20 weniger als zum gleichen Zeitpunkt der vergangenen Saison und immerhin 17 weniger als 2018/19. “Wir haben keine Kopfballungeheuer drin und auch keine Spieler, die vorher bei ihren Clubs 15 Tore erzielt haben”, fasste Glasner das Offensiv-Dilemma nach der Nullnummer gegen Fürth passend zusammen. Es fehlt (mindestens) ein echter Torjäger.

Wer soll die Tore schießen?

Was also tun gegen Barca? Zumindest taktisch, das ist allerdings mehr aufgezwungen als ausgewählt, setzt die Eintracht voll auf Konter. Die Katalanen werden, das liegt in der Natur der Sache, gerne und oft den Ball haben und der Eintracht ihr Spiel aufdrücken. Heißt: Platz für schnelles Umschaltspiel sollte sich schon hin und wieder bieten. “Wir sind der Underdog, es wird mehr Raum für uns geben, da tun wir uns leichter”, so Glasner. “Wir werden gute Kontersituationen bekommen, davon bin ich überzeugt.”

Wer diese Kontersituationen dann ausspielen und vor allem erfolgreich abschließen soll, ist jedoch kompliziert. Rafael Borré, Stürmer Nummer eins, aber eigentlich gar kein Mittelstürmer, steckt spätestens seit seinem Elfmeter-Fehlschuss von Sevilla im Formtief und wartet seit einem Monat auf einen eigenen Treffer. Um ihn herum wirbeln mit Jesper Lindström und Daichi Kamada zwei gute Fußballer, die vor dem Tor jedoch alles andere als abgebrüht sind. Über die Außen kommen Filip Kostic und Ansgar Knauff, die zwar schnell sind und sich oft durchsetzen, dann aber keine Abnehmer für ihre Flanken haben. Es ist kompliziert.

Borré droht ein Platz auf der Bank

Die naheliegendste Lösung ist deshalb, dass Glasner, wie schon öfter in dieser Saison gegen spielerisch starke Mannschaften, die Taktik etwas anpasst und womöglich sogar ganz auf einen echten Stürmer verzichtet. Die Devise: hinten kompakt stehen, vorne alles auf möglichst viel Tempo ausrichten. Borré müsste dann auf die Bank, das offensive Dreieck würde aus Lindström und Kamada sowie Kostic oder Knauff bestehen. Sollte Kostic nach vorne rücken, müsste aufgrund der Verletzung von Christopher Lenz ein Rechtsfuß den linken Part in der Fünferkette übernehmen. Nicht optimal, angesichts der eher begrenzten Aufgaben in der Offensive aber wohl zu verschmerzen.

Eine weitere Variante wäre, dass Glasner das Offensiv-Trio auf ein Offensiv-Duo reduziert und dafür das zentrale Mittelfeld stärkt. Makoto Hasebe, der trotz seiner starken Leistung gegen Fürth seinen Platz in der Dreierkette wieder an den robusteren Martin Hinteregger abtreten muss, könnte dann als eine Art Staubsauger hinter Djibril Sow und Kristijan Jakic fungieren. Eine Rolle, die es unter Glasner bislang nicht gab, die Hasebe aber draufhat. Nebeneffekt: Hasebe könnte als Feuerwehrmann überall dort auftauchen, wo Lücken entstehen und somit Kostic auf links etwas bei der Defensivarbeit helfen. Selbst die Flügelzange Kostic/Knauff wäre nicht ausgeschlossen.

Ein Sahne-Tag muss her

So oder so: Klar ist, dass die Eintracht bei allen systematischen und personellen Überlegungen einen absoluten Sahne-Tag braucht und auf die Unterstützung von den Rängen angewiesen ist. Bei einem halbwegs normalen Spielverlauf haben die Hessen keine Chance. Ihre einzige Chance ist, dass es keinen halbwegs normalen Spielverlauf gibt. “Wir werden zweimal einen fantastischen Tag brauchen”, fasste Coach Glasner die Erfolgsaussichten zusammen. “Wir brauchen eine überragende Defensive und Effizienz in der Offensive.”

Mut macht dabei immerhin, dass sich die Eintracht in dieser Spielzeit gegen stärkere Mannschaften leichter tut. Gegen die Top-Sechs der Bundesliga setzte es bislang nur vier Niederlagen (einmal Bayern, zweimal BVB, einmal Hoffenheim), gegen Bayern, Leverkusen und Freiburg gelangen Siege, gegen RB Leipzig holten die Hessen zweimal einen Punkt. In der Europa League setzte es in acht Partien noch nicht eine Niederlage. “Wir haben unsere Qualitäten gegen Topteams aus der Bundesliga und in der Europa League schon unter Beweis gestellt”, unterstrich deshalb auch Tuta. Der FC Barcelona sollte gewarnt sein. Also zumindest ein bisschen.

So könnte Eintracht Frankfurt gegen den FC Barcelona spielen:


Quelle: HR

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