Paralympics: Edlinger stellt sich dichtem Programm

Der größte Teil des aus 16 Aktiven und sechs Guides zusammengesetzten Teams des Österreichischen Paralympischen Committee (ÖPC) in Peking besteht aus Alpinen mit Sehbeeinträchtigungen. Edlinger ist die einzige nordische Sportlerin im Aufgebot, aber trotzdem nicht alleine. Neben ihrem Labrador Riley, ebenso wichtiges Maskottchen wie Unterstützung der 23-Jährigen, tritt die Langläuferin diesmal in der Loipe wieder mit einem Guide an. Dieser wurde aber erst im letzten Moment mit Lorenz Lampl gefunden. Zuletzt bei der Para-Ski-WM in Norwegen war die Fuschlerin nach vielen Jahren, in denen sie u. a. ihr Bruder Julian erfolgreich in der Loipe geleitet hatte, ohne Guide unterwegs gewesen.

Trotz aller bisherigen Erfolge geht die vierfache Weltcup-Gesamtsiegerin und -Weltmeisterin sowie Paralympics-Dritte über 7,5 km klassisch von 2018 mit zurückhaltenden Erwartungen in ihre zweiten Spiele. Denn weil sich vor diesem Winter dank neuer Therapien das Sehvermögen etwas gebessert hat und sie neu klassifiziert wurde, startet Edlinger in China in einer Klasse, in der sie schneller unterwegs sein muss.


GEPA/Christopher Kelemen

Bei den Paralympics in Pyeongchang durfte sich Edlinger über eine Bronzemedaille freuen

Der Skating-Sprint, in den Edlinger ihre größten Hoffnungen auf einen Platz im Spitzenfeld legt, steht in Peking als vierter Wettkampf auf dem Programm. Los geht es für die Salzburgerin im neuen Bereich Biathlon. Die Schießübungen, die mit einem Lasergewehr und akustischen Signalen absolviert werden, stellen für 23-Jährige kein großes Problem dar. „Es funktioniert wie eine Art Einparkhilfe“, so Edlinger.

Niederschmetternde Diagnose mit zwölf

Bei Österreichs einziger „Nordischen“ reduziert sich aufgrund eines seltenen Gendefekts im Netzhautbereich (Morbus Stargardt) das Sehvermögen seit 2015. Da eine Langlaufloipe direkt am Haus vorbeiging und ihr Bruder ein talentierter Langläufer war, begann die Salzburgerin dennoch, diesem nachzueifern und trotz ihrer Behinderung die Loipen dieser Welt zu erobern. In Österreich gipfelte das in der Wahl zur Sportlerin des Jahres mit Behinderung in den Jahren 2019 und 2021.

Edlinger kann sich gut erinnern, als sie mit zwölf Jahren von ihrer Augenerkrankung erfuhr. „Mit der Pubertät ist es immer schlechter geworden. Du entwickelst dich plötzlich in eine andere Richtung als deine Kumpanen neben dir. Das Fortgehen, der Führerschein. Das hat alles Auswirkungen auf dich.“

Damals sei für sie wenig überraschend eine Welt eingestürzt, und auch heute noch kämpfe sie manchmal schwer mit den Umständen, so Edlinger: „Für mich war es immer ein Riesenproblem, schlecht zu sehen und das auch nach außen zu tragen.“ Sie habe sich deshalb auch bis zum Schluss gegen einen Blindenstock gewehrt und es als sehr schmerzhaft empfunden, von den Mitmenschen als Seheingeschränkte behandelt zu werden. „Da bist du auf einmal zweite Klasse. Wenn du vollblind bist, teilweise dritte. Du bist Teil dieser Welt, aber du gehörst doch nicht dazu.“

Sport als Abstand vom Leben

Die seinerzeitige Nachricht hatte bei Edlinger aber auch einen anderen Effekt. Nämlich den, der Welt zeigen zu wollen, „dass ich es trotz der Sehprobleme auch anders kann“! Der Sport in der Loipe habe ihr definitiv in „sehr, sehr vielen Momenten“ geholfen. „Ich konnte meine Ski nehmen, rausgehen und in der Natur sein. Das war meditativ und beruhigend. Da hatte ich Abstand vom normalen Leben“, so die Salzburger Langläuferin.

Carina Edlinger mit ihrem Hund


GEPA/Patrick Steiner

Riley ist auch in Peking ein verlässlicher Partner für Langlauf-Hoffnung Edlinger

Eine wichtige Stütze und „Partner“ seit gut drei Jahren ist dabei Labrador Riley. Der Hund ersetze quasi einen Betreuer, schone und entlaste sie, nachdem man ein sehr kleines Team sei. „Er ist mein Ein und Alles. Nicht nur meine ausgelagerten Augen. Er hilft auch sehr viel, wenn es einem insgesamt nicht gut geht. Mit einer Kuscheleinheit ist fast alles bald wieder gut.“ Selbst Langstreckenflüge machen dem Vierbeiner nichts aus. Riley hat zwar meist einen eigenen Sitzplatz, liegt aber lieber zu Füßen seiner Besitzerin.

ORF überträgt ab 4. März

Dass das Publikum in der Heimat ihr und den anderen Athleten via ORF, der täglich von den Spielen berichten wird, zuschauen darf, ist für Edlinger schon im Vorfeld ein großer Gewinn. „Das ist eine Riesenaufwertung für den ganzen Sport. So sieht die Gesellschaft, was der Para-Sport eigentlich ist und was die Para-Athleten leisten“, sagte die 23-Jährige und zeigte sich begeistert. Der Behindertensport verändere sich jährlich enorm. „In manchen Bereichen ist man nicht mehr weit von der Nichtbehindertenspitze entfernt.“ Liveübertragungen im Fernsehen würden bei ihr auslösen, „dass ich mich noch ein bissl mehr zusammenreiße“.

Die Liveberichterstattung des ORF von den Paralympics startet mit der Eröffnung am 4. März. Täglich wird in ORF1 und ORF Sport + über Alpin- und Langlauf-Bewerbe berichtet, aufgrund der Zeitumstellung gibt es aber auch täglich ausführliche Zusammenfassungen der Wettkampftage. Es gibt wie in Tokio auch wieder das virtuelle Österreich-Haus, aus dem täglich um 19.30 Uhr (MEZ) aus Wien und Peking berichtet wird.

ÖPC-Team für Peking (gesamt 22/16 plus sechs Guides)

Ski alpin: Barbara Aigner (NÖ/Guide Klara Sykora), Johannes Aigner (NÖ/Guide Matteo Fleischmann), Veronika Aigner (NÖ/Guide Elisabeth Aigner), Markus Gfatterhofer (S), Thomas Grochar (K), Eva-Maria Jöchl (T), Nico Pajantschitsch (K), Roman Rabl (T), Manuel Rachbauer (T), Markus Salcher (K), Michael Scharnagl (T/Guide Florian Erharter), Christoph Schneider (S), Elina Stary (K/Guide Celine Arthofer)

Ski nordisch (Biathlon und Langlauf): Carina Edlinger (S/Guide Lorenz Lampl)

Snowboard: Rene Eckhart (T), Bernhard Hammerl (T)

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