Ski alpin: „Halbzeitfluch“ als Segen für Kristoffersen

Kristoffersen holte mit seinen Slalomsiegen Nummer 20 und 21 nicht nur seinen Landsmann Lucas Braathen von der Spitze der Spezialwertung, sondern setzte sich im Rennen um die kleine Kristallkugel auch etwas ab. Bis zum Bewerb am Sonntag lagen die ersten 13 Läufer nur innerhalb von 99 Punkten. Nun führt Kristoffersen mit 356 Punkten und 49 Zählern Vorsprung auf seinen Landsmann Braathen. Der Deutsche Linus Straßer (278), Kitz-Sieger Dave Ryding aus Großbritannien (262) und ÖSV-Ass Manuel Feller (261) sind die weiteren Verfolger des Norwegers.

Sowohl am Samstag als auch am Sonntag musste Kristoffersen nicht nur aus dem Hinterhalt angreifen, der 27-Jährige hatte auch das Glück, dass sich die Halbzeitführenden in beiden Fällen im zweiten Durchgang verabschiedeten. Tanguy Nef und auch sein Schweizer Landsmann Loic Meillard fielen auf dem Weg zu ihrem ersten Weltcup- bzw. Slalom-Sieg aus. Am Sonntag kamen auch die ex aequo zweitplatzierten Johannes Strolz und Ramon Zenhäusern, ein weiterer Schweizer, nicht ins Ziel.

Kristoffersen feiert in Garmisch Doppelpack

Das Slalom-Wochenende in Garmisch-Partenkirchen ist ganz im Zeichen von Henrik Kristoffersen gestanden. Nach seinem Triumph am Samstag legte der Norweger am Sonntag nach. Bester Österreicher wurde überraschend Marco Schwarz als Fünfter, der so wie der Sieger von den Ausfällen des Spitzentrios nach dem ersten Durchgang profitierte.

„Das Niveau ist so hoch, da weiß jeder, er muss das letzte Hemd riskieren. Wenn man in Führung liegt, gibt es keinen Raum für taktische Überlegungen. Wenn so schwere Kurssetzungen sind wie (am Sonntag, Anm.) im zweiten Durchgang, geht es unheimlich schnell, dass man einen Fehler macht und ausscheidet“, sagte Strolz über die glücklosen Versuche der Halbzeitführenden. Der Vorarlberger wurde bei Olympia selbst Opfer des „Fluchs“ und rutschte nach Bestzeit nach dem ersten Lauf auf Platz zwei hinter Clement Noel zurück. Die Silbermedaille glänzte für den 29-Jährigen trotzdem wie Gold.

Ungewöhnliche Serie

Noel war in dieser Saison auch der einzige Läufer, der eine Bestzeit nach dem ersten Durchgang in einen Sieg ummünzen konnte. Der Franzose brachte im ersten Saisonrennen daheim in Val d’Isere seine Halbzeitführung ins Ziel, konnte diesen Coup aber danach auch nicht mehr wiederholen. In Madonna di Campiglio führte ebenfalls Noel, schied im zweiten Lauf aber knapp vor dem Ziel aus und bescherte so dem norwegischen Weltmeister Sebastian Foss-Solevaag den Sieg. Es war der Auftakt zu einer ungewöhnlichen Serie.


GEPA/Thomas Bachun

Am Samstag wurde Nef auf dem Weg zur Sensation von einem Einfädler gestoppt

In Adelboden lagen Feller und Fabio Gstrein voran, Strolz machte letztlich das Rennen vor Feller, Gstrein schied aus. In Wengen lachte Kristoffersen als Halbzeitführender mit der Sonne im Berner Oberland um die Wette, sein Landsmann Braathen profitierte am Ende von Kristoffersens Ausfall wenige Tore vor dem Ziel. In Kitzbühel blieb Alex Vinatzer (ITA) eine Nullnummer erspart, beim Triumph von Ryding ging es für ihn aber auf Platz 18 zurück. Der Schwede Kristoffer Jakobsen stand in Schladming als Letzter im zweiten Durchgang am Start, er sah das Ziel nicht und Straßer beim Siegen zu. Und nun erwischte es die Schweizer Nef und Meillard.

Risiko ohne Rücksicht auf Verluste

Aber nicht nur der „Halbzeitfluch“, sondern auch regelmäßige Patzer der Spitzenfahrer verleihen dem Rennen um die kleine Kristallkugel Würze. Während bei den Damen die Slowakin Petra Vlhova die Weltcup-Wertung für den Slalom dank einer dominanten Beständigkeit bereits in der Tasche hat, leisteten sich bei den Männern die Favoriten reglmäßig Nullnummern. Beim Doppel auf dem Partenkirchner Gudiberg am Wochenende nahmen sich etwa Olympiasieger Noel und Weltmeister Foss-Solevaag mit zwei Ausfällen mehr oder weniger selbst aus der Rechnung.

Für Feller, Österreichs heißeste Aktie im Ringen um Kristall, ist die „massive Entwicklung“ im Slalom-Sport schuld an den vielen Ausfällen von Topfahrern. „Jeder blattelt so unglaublich an, du kannst nicht zurückziehen, du musst ans Limit gehen, du musst riskieren. Ich glaube, Ingemar Stenmark hat einmal gesagt, wer im Slalom einen Ausfall nicht riskiert, der ist nicht dabei. Und heute zählt das mehr denn je“, so der Tiroler, der am Sonntag selbst zu viel riskierte und mit einem schweren Fehler von Platz sechs auf 15 zurückfiel.

Auch Strolz sieht weniger Nervosität, sondern die „Siegen oder Fliegen“-Mentalität der Spitzenfahrer als Grund für die turbulenten Rennen und das Scheitern der Topleute. „Die Führenden sind großteils erfahrene Läufer, die haben schon ganz andere Sachen bewältigt. Es sind weniger die Nerven, als dass alle das letzte Hemd riskieren“, so der 29-Jährige, der die Bereitschaft zum Risiko aber auch als Gewinn sieht: „Das ist auch gut, es ist sehr interessant für die Zuschauer, gut für unseren Sport und auch für Rennläufer sehr spaßig.“ Am 9. März in Flachau geht der Spaß für Strolz und Co. weiter, spätestens beim Finale am 19. März in Courchevel ist in Sachen Weltcup-Wertung aber Schluss mit lustig.

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