FC Bayern München unterläuft beim Sieg beim SC Freiburg ein Wechselfehler – zwölf Mann auf dem Platz

Was war passiert? Bayern-Trainer Julian Nagelsmann wollte in der 86. Minute beim Stand von 3:1 seine Wechsel vier und fünf vornehmen – für Corentin Tolisso und Kingsley Coman sollten Niklas Süle und Marcel Sabitzer auf den Platz kommen.

Nach seiner Auswechslung blieb Coman allerdings für 17 Sekunden irrtümlicherweise auf dem Feld, berührte dabei auch den Ball.

“Süle kam rein und mir ist aufgefallen, dass keiner dafür rausgegangen ist”, sagte Freiburgs Nico Schlotterbeck bei “Sky”:

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4:1 mit Wechselfehler: Bayern gewinnt kurioses Spiel in Freiburg

VOR 4 STUNDEN

“Ich habe nachgezählt und den Schiedsrichter informiert, sonst hätte er es wahrscheinlich gar nicht mitbekommen.”

Schiedsrichter Dingert erklärt Wechsel-Wirrwarr

Das Schiedsrichter-Team um Christian Dingert klärte die Situation dann nach einigen Minuten der Verwirrung – Coman ging vom Feld, Dingert setzte das Spiel mit einem Schiedsrichterball fort.

“Es war eine konfuse Situation”, meinte Dingert bei “Sky”: “Es wurde von Bayern zunächst eine falsche Nummer angezeigt, so hat sich der Spieler Coman nicht angesprochen gefühlt. Bei der Klärung dieser Situation hat der Vierte Offizielle es verpasst, ob der Spieler auch wirklich das Spielfeld verlassen hat. Deswegen war kurzzeitig ein zwölfter Spieler auf dem Feld, was natürlich nicht sein darf. Wir haben das relativ schnell bemerkt und das Spiel unterbrochen.”

Der Schiedsrichter weiter: “Wir vermerken das im Spielbericht. Alles weitere wird der DFB entscheiden.” Laut Dingert habe Bayerns Teammanagerin Kathleen Krüger die alte Nummer von Kingsley Coman (29 statt 11) an der Wechseltafel eingegeben.

Hasan Salihamidzic, Kathleen Krüger, Arno Blos und Christian Dingert (v.l.) – SC Freiburg vs. FC Bayern München

Fotocredit: Getty Images

Tolisso musste auf die Toilette

Nagelsmann erklärte den Beginn der Verwirrung mit einem menschlichen Bedürfnis seines Spielers Tolisso, den er erst in der 62. Minute eingewechselt hatte: “Es war diffus. Coco Tolisso ist reingerannt, weil er Magenprobleme hatte.”

Daraus habe sich erst die Verwirrung um die Coman-Auswechslung entwickeln können: “Dann hat der Vierte Offizielle die falsche Nummer angezeigt. King (Kingsley Coman, Anm. d. Red.) wusste nicht, dass er runter musste.”

Nun liegt der Ball (auch) bei den Freiburgern, die nach gängigem Prozedere Einspruch gegen die Spielwertung einlegen müssen. “Ich müsste das noch mal in Ruhe anschauen”, meinte Freiburgs Sportvorstand Jochen Saier in einer ersten Reaktion kurz nach Abpfiff.

Freiburg will über Einspruch nachdenken

Er könne die Konsequenzen “nicht beurteilen. Jetzt müssen wir alle ein bisschen runterkommen und drüber nachdenken.”

Trainer Christian Streich, der sich direkt nach dem Wechsel-Wirrwarr stark aufgeregt hatte (“Pfeif ab, was für eine Scheiße hier!”), sagte auf der Pressekonferenz: “Ich verstehe das nicht ganz mit dem Einspruch. Ich gehe davon aus, dass wir das nicht müssen, weil es ein Regelwerk gibt. Sonst ist doch der Spekulation Tür und Tor geöffnet. Nach dem Regelwerk sollte gehandelt werden – so ist mein Verständnis zur Gerichtsbarkeit.”

Julian Nagelsmann (l.) und Christian Streich debattieren – SC Freiburg vs. FC Bayern München

Fotocredit: Getty Images

Streich fügte in der “ARD” an: “Es muss Regeln geben für so einen Fall. Und wenn es die gibt, werden sie angewandt. Und wir richten uns nach den Regeln.”

Der FC Bayern hatte das Spiel beim SC Freiburg sportlich 4:1 (0:0) gewonnen und bräuchte damit für die zehnte Meisterschaft in Serie nur noch maximal zwölf Punkte aus sechs Spielen.

Muss der FC Bayern um die Punkte bangen?

Nun könnte der Wechselfehler aber Einfluss auf die Spielwertung haben. “Das ist ein Regelverstoß und damit ein Fall für das Sportgericht”, meinte “Sky”-Experte Didi Hamann.

In der Rechts- und Verfahrensordnung des DFB, Paragraf 17, Absatz 4 heißt es dazu generell: “War in einem Spiel ein Spieler nicht spiel- oder einsatzberechtigt, so ist das Spiel für die Mannschaft, die diesen Spieler schuldhaft eingesetzt hatte, mit 0:2 verloren und für den Gegner mit 2:0 gewonnen zu werten, es sei denn, das Spiel war nach dem Einsatz des nicht spiel- oder einsatzberechtigten Spielers noch nicht durch den Schiedsrichter fortgesetzt.”

“Das lässt wenig Interpretationsspielraum”, meinte Hamann: “Es geht um die Integrität der Liga. Es gibt Regularien und wir können nicht sagen: ‘Es hat ja nur 20 Sekunden gedauert – es ist ja nichts passiert.’ Und nächste Woche spielt einer drei Minuten? Es gibt Regeln. Die Vereine haben die Verantwortung, sie zu kennen. Sie sind verantwortlich, wie viele Spieler auf dem Platz stehen. Deswegen kann es aus meiner Sicht sein, dass sie die Punkte verlieren.”

Dazu heißt es unter Absatz 1: “Einsprüche gegen die Wertung von Bundesspielen müssen innerhalb von zwei Tagen nach Ablauf des Tages, an dem das Spiel stattgefunden hat, bei der DFB-Zentralverwaltung schriftlich eingelegt und in kurzer Form begründet werden.”

DFB-Regeln: Auswechslungen sind Sache des Schiedsrichters

In den Fußballregeln des DFB ist der Fall so nicht explizit beschrieben. Dort heißt es in der Regel 3 aber: “Alle ausgewechselten Spieler und Auswechselspieler unterstehen der Entscheidungsgewalt des Schiedsrichters, unabhängig davon, ob sie eingesetzt werden oder nicht.”

Was zumindest eine Teilschuld des Schiedsrichterteams nahelegt. Denn, so heißt es: “Ein Auswechselspieler betritt das Spielfeld ausschließlich, nachdem der ausgewechselte Spieler das Spielfeld verlassen hat und nach einem Zeichen des Schiedsrichters.”

Comans Verbleiben auf dem Feld könne man aber andererseits auch als “zusätzliche Person(en) auf dem Spielfeld” interpretieren. Dann hätte Dingert aber “entsprechende Disziplinarmaßnahmen ergreifen” müssen – sprich: Coman mit einer Gelben Karte verwarnen müssen.

FC Bayern spielt Wechselfehler herunter

Bayern-Trainer Nagelsmann versuchte derweil, den Vorfall herunterzuspielen: Das ist eine skurrile Situation, die sicherlich in die Geschichtsbücher eingehen wird, aber es ist keine, über die man Tagelang diskutieren muss, denn so dramatisch war’s nicht.”

“Fehler passieren, aber das war nichts, das gegen den fairen Sport spricht”, meinte er: “Es waren zwei Querbälle. Es war nichts Spielentscheidendes.” Nagelsmann geht daher nicht von einem Freiburger Einspruch aus. “Ich habe mit ein paar Freiburger Verantwortlichen geredet, die können das auch gut einschätzen”, sagte er laut “Sport1”.

Hamann wollte das so aber nicht stehen lassen. “Ich verstehe, was Julian Nagelsmann sagt, aber sie sind selber schuld. Die haben einen Trainerstab von zwölf oder 15 Leuten – da muss das einer sehen”, so der “Sky”-Experte.

Dingert schon bei van Bommels Wechselfehler im Einsatz

“Wenn ein Spieler zu lange auf dem Platz war, stellt sich natürlich die Frage: Wer ist schuld? Der Vierte Offizielle? Oder die Bayern? Das wird der DFB nun gut überprüfen müssen”, meinte “Sky”-Experte Lothar Matthäus: “Ich hoffe da auf eine faire Entscheidung.” Bemerkenswert: Dingert stand diese Saison bereits einmal bei einem Wechselfehler im Fokus.

In der 1. Hauptrunde des DFB-Pokals hatte Mark van Bommel als damaliger Trainer des VfL Wolfsburg im Spiel bei Preußen Münster fälschlicherweise in der Verlängerung einen sechsten Wechsel getätigt, das Team um Dingert diese Regelüberschreitung aber ebenfalls klaglos zugelassen.

Van Bommel hatte damals den überzähligen Wechsel in der 103. Minute und damit unmittelbar vor dem 2:1 vorgenommen (Endstand: 3:1 n.V. für Wolfsburg). Das Spiel wurde später am Grünen Tisch 2:0 für Münster gewertet.

“Sky”-Experte Hamann war dafür wiederum im April 1995 als Spieler bei Bayerns Wechselfehler beim Bundesliga-Spiel bei Eintracht Frankfurt (5:2) involviert – er war damals der vierte Vertragamateur, der regelwidrig von Giovanni Trapattoni eingewechselt wurde. Auch Bayern verlor damals 0:2 am Grünen Tisch.

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