Kriegsschiff „Moskwa“ gesunken – Video aus Russland soll gerettete Crew zeigen

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Von: Tobias Utz, Tanja Banner, Jan-Frederik Wendt, Alina Schröder

Die Ursache für den Untergang des russischen Kriegsschiffs „Moskwa“ im Ukraine-Krieg soll geklärt sein. Russlands Version wird als Propaganda bezeichnet.

  • Im Ukraine-Krieg* sinkt das russische Kriegsschiff „Moskwa“.
  • Nach ukrainische und US-Angaben haben ukrainische „Neptun“-Raketen das Schiff versenkt, Russland* beharrt auf einem Unfall.
  • Alle aktuellen Entwicklungen rund um das Kriegsschif „Mowska“ lesen Sie hier.

+++ 20.15 Uhr: Nach dem Untergang des russischen Kriegsschiffs „Moskwa“ veröffentlicht das Verteidigungsministerium Russlands ein Video, das Mitglieder der Schiffsbesatzung zeigen soll. Der Oberkommandierende der russischen Marine, Nikolai Jewmenow, habe sich mit den Matrosen in Sewastopol getroffen, teilte die Behörde mit. Die Stadt auf der Halbinsel Krim ist der Hauptstandort der russischen Schwarzmeerflotte.

In dem Video, das knapp eine halbe Minute dauert, sind Dutzende junge Männer in schwarzen Uniformen zu sehen. Wie viele es genau sind, ist schwer abschätzbar. Wie dpa berichtet, meinen auf Twitter einige Nutzende, dass es keinesfalls die rund 500 Besatzungsmitglieder sein könnten, die zum Unglückszeitpunkt auf dem Schiff gewesen sein sollen. Eine ukrainische Militärsprecherin hatte zuvor angegeben, die Besatzung der „Moskwa“ habe vor dem Untergang des Schiffs nicht gerettet werden können, Russland hatte mitgeteilt, die Crew sei vollständig evakuiert worden (s. Meldung von 15.20 Uhr)

Russlands Kriegsschiff „Moskwa“: Crew laut Ukraine nicht rechtzeitig evakuiert

+++ 15.20 Uhr: Nach Angaben einer ukrainischen Militärsprecherin konnte die Besatzung der „Moskwa“ – etwa 500 Personen – vor dem Untergang des Schiffs nicht gerettet werden. Die russische Darstellung ist eine andere: Bereits in der Nacht von Mittwoch auf Donnerstag hatte Russland mitgeteilt, die Crew der „Moskwa“ sei vollständig evakuiert worden.

+++ 13.05 Uhr: Nach Angaben Kiews ist der Kapitän des gesunkenen russischen Raketenkreuzers „Moskwa“ tot. Das teilte Anton Geraschenko, ein Berater des ukrainischen Innenministeriums, nach Angaben von n-tv.de mit. „Anton Kuprin, Kapitän 1. Ranges, Kommandant des Kreuzers ‚Moskwa‘, starb bei einer Explosion und einem Brand an Bord des ehemaligen Flaggschiffs der russischen Schwarzmeerflotte“, schrieb Geraschenko laut n-tv in seinem Telegramkanal.

Der Staatliche Grenzdienst der Ukraine berichtete zudem, das russische Verteidigungsministerium habe den Tod Kuprins bestätigt. Auf der Website des Ministeriums sowie auf seinen Kanälen in sozialen Medien ließ sich allerdings keine Information über den Tod des Kapitäns finden.

Update vom Samstag, 16.04.2022, 06.45 Uhr: In der Ukraine ist eine Briefmarke mit dem Motiv eines ukrainischen Soldaten, der einem russischen Kriegsschiff den Stinkefinger zeigt, zum Sammlerstück geworden. Am Hauptpostamt in Kiew standen am Freitag hunderte Ukrainer stundenlang Schlange, um Exemplare dieser Briefmarke zu ergattern. Die Briefmarke hatte durch den Untergang der „Moskwa“, des Flaggschiffs der russischen Schwarzmeerflotte, neue Bedeutung gewonnen.

Die Hintergrundgeschichte des Motivs liegt jedoch schon in den Anfangstagen des Kriegs im Februar. Damals hatten ukrainische Grenzschützer auf der kleinen Schlangeninsel einem russischen Schiff, das sie zur Aufgabe aufforderte, “Fick dich” entgegengerufen. Der Funkspruch ging um die Welt und wurde zum Symbol des ukrainischen Widerstands.

Der russische Raketenkreuzer „Moskwa“, das Flaggschiff der russischen Schwarzmeerflotte, liegt am 11. September 2008 im Schwarzmeerhafen von Sewastopol vor Anker. (Archivfoto) © Uncredited/dpa

Kriegsschiff „Moskwa“: Ursache des Untergangs wohl geklärt – Russland beharrt auf Unfall

+++ 20.15 Uhr: Der Grund für den Untergang des russischen Kriegsschiffs „Moskwa“ soll geklärt sein: Dieser ist nach US-Angaben durch den Einschlag von ukrainischen Raketen verursacht worden. Laut einem hochrangigen Vertreter des US-Verteidigungsministeriums, der nicht namentlich zitiert werden wollte, ist das Flaggschiff der russischen Schwarzmeerflotte von zwei Raketen des Typs „Neptun“ getroffen worden. Er bestätigte damit Angaben des ukrainischen Militärs, das ebenfalls vom ukrainischen Raketen-Einschlag in die „Moskwa“ berichtet hatte.

Russland hingegen beharrt auf unglückliche Umstände: Wie das russische Verteidigungsministerium mitteilte, sei es zu einem Unfall gekommen, wobei an Bord des Kreuzers Munition detoniert sein soll. Die Explosion habe einen Brand ausgelöst, durch den der Rumpf beschädigt worden sei. Das Schiff sei anschließend evakuiert worden, bevor es in einem Sturm gesunken sei. Wie spiegel.de berichtet, bewerten Fachleute die russische Version als Propaganda. Der Marineexperte am Londoner „Royal United Service Institute“, Sidharth Kaushal, hält einen ukrainischen Angriff für plausibel. Die Ukraine habe die Waffen dafür gehabt, außerdem sei die „Moskwa“ einen relativ erwartbaren Kurs um die Schlangeninsel herum gefahren. 

Auch der deutsche Wetterexperte Jörg Kachelmann hält die russische Darstellung für Unsinn. „Es sind Lügen aus einer Zeit, in der man noch nicht wusste, wie das Wetter anderswo ist“, schrieb er auf Twitter unter Verweis auf seine öffentlich abrufbaren Wetterdaten. „Die ‚Moskwa‘ ist ganz sicher nicht wegen eines Sturms gesunken, weil es keinen Sturm gab“, so Kachelmann.

Kriegsschiff „Moskwa“ gesunken: Welche Folgen der Verlust für die russische Marine hat

+++ 17.00 Uhr: Die Hintergründe für das Versinken der „Moskwa“ sind weiterhin nicht geklärt. Die Ukraine behauptet weiterhin, das Kriegsschiff mit einem Raketenangriff versenkt zu haben. Möglicherweise könnten dabei auch die türkischen Drohnen vom Typ Bayraktar-TB2 zum Einsatz gekommen sein, etwa um die Luftabwehr abzulenken.

+++ 14.00 Uhr: Laut den USA hat der Untergang der „Moskwa“ Konsequenzen für die Einsatzfähigkeit der russischen Marine im Ukraine-Krieg. Der russische Kreuzer habe dabei eine „Schlüsselrolle“ in den Bemühungen Russlands gespielt, eine „Dominanz seiner Marine im Schwarzen Meer“ herzustellen, sagte Pentagon-Pressesprecher John Kirby dem US-Sender CNN.

Kriegsschiff „Moskwa“
Das russische Kriegsschiff „Moskwa“, fotografiert im Dezember 2015. (Archivfoto) © Zhang Jiye/XinHua/dpa

Mit dem Verlust der Moskwa verliert die russische Flotte nicht nur viel Feuerkraft. Ihre Kriegsschiffe könnten nun verstärkt das Ziel von Küstenbatterien werden. Denn die Ukraine hat sich neben den im eigenen Land hergestellten „Neptun“-Raketen auch Antischiffsraketen aus Großbritannien gesichert. Um diesen Geschossen zu entgehen, müssen die russischen Kriegsschiffe wohl den Abstand zur Küste vergrößern. Landemanöver wie in Odessa werden damit deutlich unwahrscheinlicher.

Ukraine-Krieg: Britischer Geheimdienst äußert sich zu gesunkenem Kriegsschiff „Moskwa“

+++ 13.00 Uhr: Der britische Geheimdienst hat einen Lagebericht zur russischen Marine veröffentlicht. Darin heißt es, dass man die Situation nach dem Untergang des Kriegsschiffs „Moskwa“ neu bewerten müsse: „Das Schiff war eins von nur drei ‚Slava-Klassen-Kreuzern‘ in der russischen Marine.“ Der Vorfall bedeutet, dass Russland nun schon zum zweiten Mal Schaden an wichtiger Marine-Ausrüstung erlitten hat.“ Diese Aussage bezieht sich wohl auf den ukrainischen Angriff auf das „Saratow“-Schiff im hafen von Bergdjansk am 24. März 2022.

„Beide Ereignisse werden Russland wahrscheinlich dazu veranlassen, seine maritime Stellung im Schwarzen Meer zu überprüfen.“, heißt es im Bericht des britischen Geheimdienstes weiter.

+++ 07.45 Uhr: Laut Angaben des US-Verteidigungsministeriums ist es „wahrscheinlich“, dass es bei dem Untergang des russischen Kriegsschiffes „Moskwa“ Tote und Verletzte gegeben hat. An Bord seien bis zu 500 Soldaten gewesen, erklärte Pentagon-Sprecher John Kirby. „Ich weiß nicht, wie viele sie runtergebracht haben. Wir haben Hinweise gesehen, dass es Rettungsboote gab und dass einige Matrosen das Schiff verlassen konnten“, sagte er gegenüber CNN.

„Aber falls es von einer Rakete getroffen wurde – selbst falls es nur eine interne Explosion war, die Munition verbrannt hat, so wie es die Russen sagen – wird man wahrscheinlich an Bord Tote und Verletzte haben.“ Laut Angaben eines ukrainischen Armee-Sprechers traf eine Rakete des Typs „Neptun“ das Kriegsschiff (s. Erstmeldung). Der Kreml dementierte das und sprach von einer Munitionsexplosion an Bord sowie einer Folge des starken Seegangs.

Der russische Raketenkreuzer „Moskwa“, das Flaggschiff der russischen Schwarzmeerflotte, liegt am 11. September 2008 im Schwarzmeerhafen von Sewastopol vor Anker. (Archivfoto)
Der russische Raketenkreuzer „Moskwa“, das Flaggschiff der russischen Schwarzmeerflotte, liegt am 11. September 2008 im Schwarzmeerhafen von Sewastopol vor Anker. (Archivfoto) © Uncredited/dpa

Erstmeldung vom Freitag, 15.04.2022, 07.00 Uhr: Kiew/Odessa – Die russische Armee hat am Donnerstag (14.04.2022) ihr wohl wichtigstes Kriegsschiff im Ukraine-Krieg* verloren. Dabei handelt es sich um den Raketenkreuzer „Moskwa“, Teil der Schwarzmeerflotte. Das Verteidigungsministerium in Moskau* sprach davon, dass das Militärschiff das „Gleichgewicht“ verloren habe und bei starkem Seegang untergegangen sei. An Bord sei Munition explodiert, hieß es aus dem Kreml. Die ukrainischen Streitkräfte reklamierten den Untergang der „Moskwa“ stattdessen für sich. Bislang ist unklar, wer oder was tatsächlich für das Sinken des Kriegsschiffs verantwortlich ist.

Der Sprecher der ukrainischen Armee in der Hafenstadt Odessa, Sergej Bratschuk, hatte mitgeteilt, die „Moskwa“ sei von ukrainischen Raketen vom Typ „Neptun“ getroffen worden. Wolodymyr Selenskyj*, Präsident der Ukraine*, spielte in einer Videoansprache auf das gesunkene russische Kriegsschiff an und pries all jene, „die gezeigt haben, dass russische Schiffe auf den Grund gehen können.“ 

„Schwerer Schlag“ für Russland im Ukraine-Krieg: Kriegsschiff „Moskwa“ sinkt

Die US-Regierung bewertete dies als „schweren Schlag“ für die Marine Russlands*. Der mit Raketen ausgerüstete Kreuzer habe eine „Schlüsselrolle“ in den Bemühungen der russischen Armee gespielt, eine „Dominanz seiner Marine im Schwarzen Meer“ herzustellen, erklärte der Sprecher des US-Verteidigungsministeriums, John Kirby, dem US-Sender CNN.

Die zu Sowjetzeiten gebaute „Moskwa“ hatte gemeinsam mit weiteren Schiffen der Schwarzmeerflotte die südukrainische Hafenstadt Mariupol blockiert: Dort herrscht seit Wochen großes Leid, „Hunger und Not“ dominieren.* (tu/jfw mit dpa/AFP) *fr.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

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Kriegsschiff „Moskwa“ gesunken – Video aus Russland soll gerettete Crew zeigen

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