Ukraine-Konflikt: Kremlkritiker Kasparow appelliert an Nato – „Ist schon der dritte Weltkrieg“

  • VonIsabel Wetzel

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Russland setzt den Ukraine-Krieg fort; in der Nacht wurden heftige Angriffe gemeldet. Kremlkritiker Garri Kasparow fordert Nato zum Handeln auf. Der News-Ticker.

  • Russland* setzt die Invasion in der Ukraine* trotz harter Sanktionen weiter fort. Heftige Angriffe treffen Kiew*, Charkiw und Mykolajiw.
  • Mit humanitären Blockaden erhöht Russland nach eineinhalb Wochen Krieg den Druck im Ukraine-Konflikt*.
  • China* appelliert an die Nato, bei der Osterweiterung die Sicherheit Russlands zu berücksichtigen.

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+++ 12.55 Uhr: Der ehemaliger Schach-Weltmeister Garri Kasparow zählt schon lange zu den erklärten Kritikern des russischen Präsidenten Wladimir Putin. In einem Gastbeitrag in der Welt verurteilt der Kremlkritiker den Ukraine-Krieg scharf und richtet sich mit einem Appell an die Nato und die EU*. Kasparow kritisiert, dass die „mächtigste Allianz der Geschichte“ bei dem „Völkermord“, den Putin in der Ukraine begeht, nur zusehe. „Dies ist doch schon der Dritte Weltkrieg. Putin hat ihn vor langer Zeit begonnen, und die Ukraine ist nur die augenblickliche Front“, schreibt er in der Welt.

Wenn der Westen nicht eingreife und Russland den Krieg in der Ukraine womöglich gewinne, sei das bloß der Anfang, prognostiziert Garri Kasparow. Damit wäre Putin bewiesen, dass die Nato ihn nicht stoppen wird – obwohl sie es könnte. Für den Kremlkritiker gibt es nur zwei mögliche Ausgänge der Ukraine-Krise: Putins Sieg und damit eine globale Katastrophe oder Putins Sturz in Moskau.

Ukraine-News: Russisches Gas fließt weiter nach Westen

+++ 12.00 Uhr: Russisches Gas fließt nach Angaben des Staatskonzerns Gazprom weiter im normalen Umfang über die Ukraine nach Westen. Das meldete die Nachrichtenagentur Interfax am Sonntag unter Berufung auf Gazprom-Sprecher Sergej Kuprijanow. „Gazprom führt die Lieferung von russischem Gas für den Transit durch das Territorium der Ukraine im regelmäßigen Regime und entsprechend den Anforderungen der europäischen Verbraucher aus“, sagte der Sprecher demnach. Am Sonntag sollten demnach 109,5 Millionen Kubikmeter Gas fließen.

Das ukrainische Militär evakuiert die Menschen aus der Stadt Irpin bei Kiew: Hier werden heftige Angriffe Russlands erwartet.

© Adrien Vautier/Imago

+++ 09.30 Uhr: Der ukrainische Gasnetzbetreiber musste 16 Gasverteilerstationen in sechs großen ukrainischen Verwaltungsbezirken – Kiew, Charkiw, Mykolajiw, Saporischschja, Donezk und Luhansk – als Folge des russischen Einmarsches abschalten. Das teilte der Betreiber nach Angaben des Kiew Independent am Samstag via Telegram mit.

Putin droht Ukraine mit „Ende der Staatlichkeit“ – China verweist auf „Sicherheit Russlands“

Update, 09.20 Uhr: Chinas Außenminister Wang Yi sagte in einem Telefonat mit dem US-Außenminister Tony Blinken am Samstag (05.03.2022), die „Entwicklung“ der Situation in der Ukraine sei „etwas, das China nicht sehen will“. Der US-Sender CNN veröffentlichte eine entsprechende Erklärung des chinesischen Außenministeriums.

Chinas Außenminister forderte die USA, die Nato und die EU außerdem auf, „die negativen Auswirkungen der kontinuierlichen Osterweiterung der Nato auf die Sicherheit Russlands zu beachten“.

Ukraine-Krieg: Heftige Angriffe auf Kiew – Putin droht Selenskyj

Erstmeldung vom Sonntag, 06.03.2022: Kiew – Russland führt den Krieg in der Ukraine auch eineinhalb Wochen nach dem Einmarsch in das Nachbarland unerbittlich weiter. Trotz harter internationaler Sanktionen* und weltweiter Kritik verfolgt Wladimir Putin* weiter seine Ziele und drohte dem Präsidenten Wolodymyr Selenskyj* jetzt sogar mit dem Verlust der ukrainischen Souveränität, einem „Ende der Staatlichkeit“ der Ukraine.

Russische Streitkräfte versuchen auch am Sonntag (06.03.2022) vor allem die ukrainischen Großstädte Kiew, Charkiw und Mykolajiw einzukesseln. In der Nacht hat es in den umliegenden Regionen heftige Angriffe gegeben, wie die ukrainischen Streitkräfte berichten. Auch in der Region Sumy im Nordosten der Ukraine wurden in der Nacht Angriffe gemeldet. Mehr als eine Million Menschen haben die Ukraine den Angaben zufolge bereits verlassen, und die Welle der Flüchtenden werde vorerst auch nicht abreißen.

Krieg in der Ukraine: Humanitäre Situation in belagerten Städten verschärft sich

Die humanitäre Situation in den belagerten Städten, insbesondere in der bedeutenden Hafenstadt Mariupol, sei katastrophal. Der Notfalldirektor von Ärzte ohne Grenzen (MSF), Laurent Ligozat, sagte der Nachrichtenagentur afp, in der Stadt gebe es kein Wasser und keinen Strom mehr, die Lebensmittel würden knapp. Der Bürgermeister bat am Samstag wiederholt um Hilfe und betonte, es sei wichtig, einen humanitären Korridor zur Evakuierung bereitzustellen. Er berichtete von tausenden Verletzten und zahlreichen Toten.

Am Samstag (05.03.2022) gewährte das russische Militär der Ukraine hier eine Feuerpause, die allerdings nicht lange anhielt. Ukrainische Behörden warfen Russland vor, die vereinbarte Waffenruhe nicht vollständig eingehalten zu haben. Putin beschuldigt die Ukraine der Sabotage. Die Evakuierung von rund 200.000 Menschen musste „aus Sicherheitsgründen“ verschoben werden, teilte die Stadt Mariupol mit.

Krieg in der Ukraine: Wolodymyr Selenskyj telefoniert mit Joe Biden

Angesichts der sich verschärfenden Lage bat der ukrainische Staatschef Wolodymyr Selenskyj erneut um westliche Unterstützung. Mit Blick auf finanzielle Hilfen und die „Fortsetzung von Sanktionen“ gegen Russland habe er erneut mit dem Präsidenten der USA*, Joe Biden*, telefonierte, twitterte er.

Kiew fordert von der westlichen Gemeinschaft noch härtere Strafmaßnahmen gegen Russland, insbesondere gegen dessen Energiesektor. Den Appell der ukrainischen Regierung an die Nato*, eine Flugverbotszone einzurichten, hat das Westbündnis unter Verweis auf eine drohende weitere Eskalation des Konflikts abgelehnt. Putin betonte am Samstag (05.03.2022), dass die Schaffung einer Flugverbotszone über der Ukraine für Moskau eine rote Linie sei. (iwe) *fr.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

Rubriklistenbild: © Britta Pedersen/dpa

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