Ukraine-News im Liveticker: Russische Truppen bereiten laut Selenskyj Bombardierung von Odessa vor – WELT

Die russischen Truppen bereiten nach den Worten des ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj die Bombardierung der historischen Hafenstadt Odessa vor. Die Stadt liegt am Schwarzen Meer westlich der von Russland annektierten Halbinsel Krim. „Sie bereiten die Bombardierung von Odessa vor. Odessa!“, sagte der Staatschef in einer Videobotschaft. „Das wird ein Kriegsverbrechen, das wird ein historisches Verbrechen.“

Die russischen Truppen haben seit ihrem Einmarsch in der Ukraine vor gut einer Woche im Süden des Landes einige Geländegewinne erzielen können. Unter anderem nahmen sie die Hafenstädte Cherson und Berdjansk ein. Zudem intensivierten sie zuletzt die Angriffe auf das strategisch wichtige Mariupol. Odessa mit seinen knapp eine Million Einwohnern dagegen war von den Kämpfen bisher weitgehend ausgenommen.

Alle Entwicklungen im Liveticker:

12:20 Uhr – Beobachter: Über 1000 Festnahmen bei Protesten in Russland

Die Beobachter von OVD-Info melden immer mehr Festnahmen bei Protesten in Russland. Inzwischen habe die Polizei mehr als 1015 Menschen bei Kundgebungen in 29 Städten im ganzen Land in Gewahrsam genommen. Unabhängig überprüfen lassen sich die Angaben nicht. Zu den Protesten gegen den Krieg in der Ukraine hat der inhaftierte Kritiker der russischen Regierung, Alexej Nawalny, aufgerufen. Solche Demonstrationen sind in Russland untersagt.

12:02 Uhr – Moody’s senkt Rating für Russland auf Ca

Die US-Ratingagentur Moody’s senkt ihre Bewertung der Kreditwürdigkeit Russlands weiter auf Ca und behält den negativen Ausblick bei. Als Grund für die Herabstufung nennt Moody’s „ernsthafte Bedenken hinsichtlich der Bereitschaft und Fähigkeit Russlands, seine Schuldenverpflichtungen zu begleichen“. Die Ausfallrisiken seien gestiegen. Am Donnerstag hatte Moody’s das Rating um sechs Stufen zurückgenommen, und zwar von Baa3 auf B3.

11:34 Uhr – UNO: Mehr als 1,5 Millionen Menschen vor Krieg aus der Ukraine geflohen

Wegen des Krieges in der Ukraine sind nach Angaben der Vereinten Nationen bereits mehr als 1,5 Millionen Menschen aus dem Land geflohen. Es handle sich um die „am schnellsten anwachsende Flüchtlingskrise“ in Europa seit dem Zweiten Weltkrieg, erklärte die UNO auf Twitter. Angesichts der sich intensivierenden Kämpfe dürfte die Zahl der täglich außer Landes Flüchtenden weiter steigen.

Nach UN-Schätzungen könnten insgesamt vier Millionen Menschen die Ukraine verlassen wollen. Bis zum russischen Einmarsch in die Ukraine lebten in den von der Regierung in Kiew kontrollierten Gebieten gut 37 Millionen Menschen.

11:28 Uhr – Polen bekräftigt: Schicken keine Kampfflugzeuge in die Ukraine

Polen hat erneut Berichten widersprochen, wonach das Land die Ukraine mit Kampfflugzeugen sowjetischer Bauart ausstatten will. „Polen wird seine Kampfjets nicht in die Ukraine schicken und auch nicht erlauben, seine Flughäfen zu nutzen. Wir helfen ganz erheblich in vielen anderen Bereichen“, erklärte die Regierung in Warschau auf Twitter. Sie verwies dabei auf eine Erklärung des polnischen Generalstabs vom Donnerstag. Darin hieß es, alle polnischen Kampfflugzeuge vom Typ MiG-29 blieben auf ihren Heimatbasen, sie seien außerdem mit dem rot-weißen Hoheitszeichen der polnischen Luftwaffe markiert.

Zuvor hatten mehrere Medien berichtet, Polen werde der Ukraine MiG-Kampfjets zu Verfügung stellen und erhalte dafür von den USA Kampfflugzeuge vom Typ F-16.

11:23 Uhr – Bennett will Bemühungen um Dialog im Ukraine-Konflikt fortsetzen

Der israelische Regierungschef Naftali Bennett will seine Bemühungen um einen Dialog im Ukraine-Konflikt fortsetzen. „Wir werden weiter helfen, solange wir darum gebeten werden“, sagte Bennett während der wöchentlichen Kabinettssitzung in Jerusalem. „Auch wenn die Chancen nicht groß sind, wenn es auch nur eine kleine Öffnung gibt, und wir Zugang zu allen Seiten und die Fähigkeiten haben, sehe ich es als unsere moralische Verpflichtung an, jeden Versuch zu unternehmen.“

Zu konkreten Inhalten seiner Vermittlungsbesuche in Moskau und Berlin könne er sich nicht äußern, erklärte Bennett. Bennett hatte sich am Samstag in Moskau überraschend mit Kremlchef Wladimir Putin getroffen. Bennett ist der erste westliche Spitzenpolitiker, der Putin seit Kriegsbeginn in Moskau besucht hat. Anschließend reiste er weiter nach Berlin und beriet sich dort mit Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) über den Ukraine-Konflikt. Am Sonntag telefonierte Bennett zum dritten Mal binnen 24 Stunden mit dem ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj. Bennett sagte, er habe die Reisen mit Einwilligung aller Beteiligten unternommen.

Im Ukraine-Krieg ist Israel als Vermittler im Gespräch. Medienberichten zufolge soll Selenskyj Bennett gebeten haben, in Israel Verhandlungen zwischen Russland und der Ukraine auszurichten. Israel hat gute Beziehungen zu beiden Ländern, befindet sich daher aber auch in einem Zwiespalt. Es will seinen wichtigsten Bündnispartner, die USA, nicht verärgern, ist aber gleichzeitig aus strategischen Gründen vom Wohlwollen Moskaus abhängig, unter anderem in den Konflikten mit Syrien und dem Iran.

10:59 Uhr – Giffey zu Flüchtlingsbewegung: Berlin schafft es nicht allein

Berlin stößt angesichts Tausender täglich in der Hauptstadt ankommender Ukraine-Geflüchteter nach Aussagen der Regierenden Bürgermeisterin Franziska Giffey an seine Grenzen. „Wir haben binnen einer Woche ein extrem dynamisches Geschehen: Am Anfang waren es 45 Menschen, wir untergebracht haben, mittlerweile kommen über 10.000 am Tag, und das ist eine riesen Herausforderung, die wir versuchen, mit verschiedenen Mitteln zu bewältigen“, sagte die SPD-Politikerin im ZDF-„Morgenmagazin“. Einerseits würden Ankunftszentren, Geflüchteten-Unterkünfte, Hostels, Jugendherbergen genutzt, anderseits gebe es ein großes privates Engagement. „Es geht nur gemeinsam im Moment. Wir kommen zunehmend an unsere Grenzen“, sagte Giffey.

Weil die meisten Menschen aus der Ukraine in Berlin ankämen, müsse es jetzt dringend eine bundesweite Organisation und Verteilung der Geflüchteten geben, forderte Giffey, „weil wir das in diesen Größenordnungen mit den vorhandenen Strukturen hier in Berlin nicht alleine schaffen“. Die EU habe am Donnerstag über den Aufenthaltsstatus der Kriegsgeflüchteten aus der Ukraine entschieden, damit verbunden sei das Arbeitsrecht. „Das muss jetzt in dieser Woche dringend in Bundesrecht umgesetzt werden, damit die Menschen, die hierher kommen eben nicht nur verteilt, untergebracht und erstversorgt werden, sondern damit auch klar ist: Sie haben eine geschützte Bleibeperspektive für einen bestimmten Zeitraum – und sie haben das Recht zu arbeiten“, forderte Giffey.

10:44 Uhr – USA arbeiten an Lieferung sowjetischer Kampfjets aus Polen an die Ukraine

Washington arbeitet US-Medienberichten zufolge mit Polen an einer Vereinbarung über die Lieferung von Kampfflugzeugen aus der Sowjetzeit an die Ukraine. Im Gegenzug könnten die USA Polen mit F-16-Kampfjets aus US-Produktion beliefern, berichteten mehrere US-Medien am Samstag unter Berufung auf Regierungsvertreter in Washington. „Wir arbeiten mit den Polen in dieser Frage zusammen und beraten uns mit den übrigen Nato-Verbündeten“, zitierten das „Wall Street Journal“ und der Fernsehsender NBC einen Vertreter des Weißen Hauses.

Kiew hatte am Samstag den Westen aufgefordert, die Militärhilfe für das belagerte Land zu verstärken. Präsident Wolodymyr Selenskyj bat seine osteuropäischen Nachbarn um die Bereitstellung von Flugzeugen aus russischer Produktion, für die seine Piloten ausgebildet sind.

Der ukrainische Staatschef hatte am Samstag in einer Videokonferenz mit Vertretern des US-Kongresses um weitere Finanzhilfen gebeten. Nachdem der Minderheitsführer im Senat, Mitch McConnell, den ukrainischen Präsidenten gefragt hatte, was er am dringendsten benötige, habe Selenskyj um Kampfjets gebeten, berichteten zwei Teilnehmer dem „Wall Street Journal“. Laut dem Blatt sieht sich die US-Regierung jedoch vor einer Reihe praktischer Herausforderungen, darunter auch das Problem, wie die Kampfflugzeuge in die Ukraine gelangen sollen.

10:35 Uhr – Mindestens 37.800 ukrainische Flüchtlinge in Deutschland angekommen

Die Zahl der ukrainischen Kriegsflüchtlinge, die in Deutschland Schutz suchen, ist erneut deutlich gestiegen. Nach Angaben des Bundesinnenministeriums registrierte die Bundespolizei bis Sonntag hierzulande bereits 37.786 geflüchtete Ukrainer – und damit fast 10.000 mehr als am Vortag.

Ein Sprecher des Innenministeriums wies erneut darauf hin, dass die tatsächliche Zahl der nach Deutschland eingereisten Kriegsflüchtlinge aus der Ukraine deutlich höher sein könnte, da die Daten der Bundespolizei auch wegen nicht bestehender Grenzkontrollen nur einen Teil der Geflüchteten abbilden würden. „Da keine Grenzkontrollen stattfinden, kann die Zahl der nach Deutschland eingereisten Kriegsflüchtlinge tatsächlich bereits wesentlich höher sein“, hieß es dazu. Die Zahl der Menschen, die aus dem Kriegsgebiet in der Ukraine fliehen, wird den Angaben zufolge seit dem Beginn der russischen Angriffe am 24. Februar erfasst.

Weltweit waren nach Schätzung des UN-Flüchtlingshilfswerks UNHCR und auf Basis der am Wochenende erneut aktualisierten Zahlen bis Freitag mehr als 1,3 Millionen Menschen aus der Ukraine geflohen, die meisten davon nach Polen. Dort schätzt das UNHCR die Zahl der ukrainischen Geflüchteten bis Freitag auf mehr als 750.000.

10:13 Uhr – Menschenrechtler: Über 64 Festnahmen bei Protesten im Osten Russlands

Bei Protesten gegen den Krieg in der Ukraine sind im Osten Russlands und in Ostsibirien Menschenrechtlern zufolge mehr als 64 Demonstranten festgenommen worden. Zu Festnahmen sei es in der Hafenstadt Wladiwostok und in der sibirischen Stadt Irkutsk gekommen, teilt die unabhängige Beobachterorganisation OVD-Info mit.

Eine unabhängige Überprüfung der Angaben war nicht möglich, Polizeisprecher in den beiden Städten waren nicht zu erreichen. OVD-Info berät Festgenommene juristisch und veröffentlicht via Internet Angaben zu Festnahmen bei Massenprotesten.

10:07 Uhr – IOC plant keinen Ausschluss seiner russischen Mitglieder

Trotz der Maßnahmen gegen russische Sportler plant das Internationale Olympische Komitee derzeit keinen Ausschluss der russischen IOC-Mitglieder. Weder die ehemalige Stabhochspringerin Jelena Issinbajewa noch Russlands Tennis-Chef Schamil Tarpischtschew könnten unter dem Regelwerk des Dachverbands suspendiert werden, berichtete die britische „Sunday Times“ unter Berufung auf einen IOC-Sprecher. Für den Bruch des olympischen Friedens nehme man ausschließlich die Regierungen von Russland und Belarus ins Visier, weil nur diese Entscheidungen über Krieg und Frieden treffen könnten, betonte das IOC.

Die frühere Weltklasse-Athletin Issinbajewa wurde 2016 ins IOC gewählt. Tarpischtschew ist sogar schon seit 1994 Mitglied des aktuell 105-köpfigen Ringe-Zirkels. Wegen des russischen Angriffskrieges gegen die Ukraine hatte das IOC zuletzt alle Verbände dazu aufgerufen, Sportlerinnen und Sportler aus Russland und der Ukraine aus allen internationalen Wettbewerben zu verbannen. Eine Suspendierung des russischen Olympischen Komitees und damit einen Stopp aller Zahlungen schloss das IOC aber bisher aus.

10:01 Uhr – Johnson ruft Weltgemeinschaft zum Handeln für Ukraine auf

Der britische Premierminister Boris Johnson hat die internationale Gemeinschaft dazu aufgerufen, in Russlands Krieg gegen die Ukraine den Druck auf Moskau zu erhöhen. „Es genügt nicht, unsere Unterstützung für die regelbasierte internationale Ordnung auszusprechen – wir müssen sie gegen den andauernden Versuch verteidigen, die Regeln durch Militärgewalt umzuschreiben“, argumentiert Johnson in einem Beitrag für die Sonntagsausgabe der „New York Times“, der vorab in Auszügen vorlag. Wladimir Putin müsse mit seinem „Akt der Aggression“ scheitern.

Mit dem Essay legt Johnson auch einen Sechs-Punkte-Plan zum Umgang mit der Ukraine-Krise vor. Die internationale Gemeinschaft müsse in einer „humanitären Koalition“ für die Ukraine zusammenkommen und das Land im Bemühen um seine Selbstverteidigung unterstützen, heißt es darin. Dazu müsse auch der wirtschaftliche Druck auf den Kreml erhöht werden, und Staats- und Regierungschefs müssten sich der „schleichenden Normalisierung“ der russischen Handlungen in der Ukraine widersetzen.

Ein diplomatischer Weg zur Lösung des Konflikts sei indes nur mit der vollen Beteiligung der „rechtmäßigen Regierung der Ukraine“ möglich, schreibt Johnson weiter. Zudem müsse die Sicherheit und Widerstandsfähigkeit des „Euro-Atlantischen Raums“ gestärkt werden.

09:56 Uhr – Großbritannien – Konflikt in Ukraine kann Jahre dauern

Der Konflikt in der Ukraine kann nach Einschätzung des stellvertretenden britischen Premierministers Dominic Raab noch Monate, wenn nicht gar Jahre dauern. Die internationalen Verbündeten müssten sicherstellen, dass der russische Präsident Wladimir Putin in der Ukraine scheitere, sagt Raab dem Sender Sky News. „Das wird einige Zeit dauern – wir sprechen von Monaten, wenn nicht Jahren – und deshalb müssen wir ein gewisses strategisches Durchhaltevermögen zeigen, denn das wird nicht in einigen Tagen vorbei sein.“

09:36 Uhr – Ukraine-Krieg: CDU-Vize fordert Steuersenkungen und Dienstpflicht

Um die steigenden Energiepreise vor allem für Bezieher kleiner Einkommen erträglicher zu machen, hat CDU-Bundesparteivize Carsten Linnemann die Forderung nach Steuersenkungen seiner Partei bekräftigt. „Ich persönlich bin dafür, dass wir kurzfristig etwas machen müssen – wir müssen an die Mehrwertsteuer ran“, sagte Linnemann im ZDF-„Morgenmagazin“. Es brauche „jetzt schnell“ eine Maßnahme, um die wirtschaftlichen Folgen des Ukraine-Krieges in Deutschland abzufedern.

Auf die Frage zum Umfang der Absenkung sagte Linnemann: „Die sollten wir auf sieben Prozent absenken – oder vielleicht noch mehr.“ Gleichzeitig verteidigte er die Sanktionen gegen Russland: „Wir haben eine Situation, wo Völkerrecht viel wichtiger ist als wirtschaftliche Interessen, und deswegen ist es wichtig, dass wir die Sanktionen – vielleicht in Zukunft auch noch mehr Sanktionen – verabschiedet haben.“

Linnemann bekräftigte seine Forderung nach der Einführung einer allgemeinen Dienstpflicht. „Wir sehen doch jetzt, dass Frieden kein Naturgesetz ist.“ Auch demokratische Werte, der Zusammenhalt der Gesellschaft, Meinungsvielfalt und Respekt voreinander seien nicht selbstverständlich. „Es gibt eine Polarisierung in Deutschland, es gibt mehr Ich-Bürger als Staatsbürger, auch hier und da erlebe ich eine soziale Kälte.“ So ein Gesellschaftsjahr würde der Gesellschaft „richtig gut tun“ und sie wieder zusammenführen.

09:31 Uhr – Moskau: Russische Armee und Separatisten in Ostukraine auf Vormarsch

Die russische Armee und die von ihr unterstützten Separatisten sind nach Angaben des Verteidigungsministeriums in Moskau im Osten der Ukraine weiter auf dem Vormarsch. Bei den Angriffen hätten sich die russischen Streitkräfte elf Kilometer weit ins Landesinnere bewegt und fünf weitere Ortschaften unter ihre Kontrolle gebracht, teilte das Ministerium am Sonntag in dem täglichen Bulletin mit. Die prorussischen Separatisten in den Regionen Luhansk und Donezk brachten demnach insgesamt elf Ortschaften unter ihre Kontrolle.

Kremlchef Wladimir Putin hatte bei dem Einmarsch in die Ukraine am 24. Februar angekündigt, dass die Gebiete Donezk und Luhansk vollständig eingenommen werden sollen. Putin hatte auch erklärt, dass eine „Entmilitarisierung“ der Ukraine Ziel der russischen „militärischen Spezial-Operation“ sei. Inzwischen seien mehr als 2200 Objekte militärischer Infrastruktur zerstört worden, sagte der Sprecher des russischen Verteidigungsministeriums, Igor Konaschenkow. Vernichtet worden seien 778 ukrainische Panzer und rund 100 Flugzeuge. Überprüfbar sind diese Angaben nicht.

09:24 Uhr – Mariupol startet neuen Evakuierungsversuch ab 11:00 Uhr MEZ

Die ukrainische Hafenstadt Mariupol startet am Sonntag ab 11:00 Uhr MEZ einen erneuten Versuch, ihre Einwohner über humanitäre Korridore in Sicherheit zu bringen. Es sei eine Feuerpause mit den russischen Truppen vereinbart worden, die die Stadt belagern, teilten die örtlichen Behörden im Messenger-Dienst Telegram mit. Demnach soll der Korridor bis in die etwa drei Stunden entfernte Stadt Saporischschja reichen.

Eine erste geplante Evakukierungsaktion war am Samstag gescheitert. Für die Aktion hatten Russland und die Ukraine ebenfalls eine Feuerpause vereinbart, die nach Angaben des Vize-Bürgermeisters von Mariupol, Serhij Orlow, aber nur 30 Minuten hielt. Die russische Armee beschoss demnach mit Artillerie und Raketen unter anderem auch die „Sammelstellen“, von denen aus tausende Zivilisten hätten in Sicherheit gebracht werden sollen. Russland machte seinerseits die ukrainische Armee für den Bruch der Feuerpause verantwortlich.

09:10 Uhr – Russland: Ukrainische Luftwaffenbasis Starokostiantyniw außer Gefecht

Russland hat nach eigenen Angaben am Morgen den ukrainischen Luftwaffenstützpunkt Starokostiantyniw angegriffen und außer Gefecht gesetzt. Zum Einsatz seien hochpräzise Langstreckenwaffen gekommen, sagt ein Sprecher des Verteidigungsministeriums in Moskau. „Die russischen Truppen setzen ihren Angriff auf die militärische Infrastruktur der Ukraine fort.“ Ein von der Ukraine kontrolliertes S-300-Raketensystem sei ebenfalls zerstört worden. In den vergangenen 24 Stunden hätten russische Truppen zehn ukrainische Flugzeuge und Hubschrauber abgeschossen.

08:51 Uhr – WHO bestätigt mehrere Angriffe auf Gesundheitszentren

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) bestätigt, dass es mehrere Angriffe auf Gesundheitszentren in der Ukraine gegeben hat. Es seien dabei mehrere Menschen getötet und verletzt worden, schreibt WHO-Generaldirektor Tedros Adhanom Ghebreyesus auf Twitter. Weitere Vorfälle würden untersucht. „Angriffe auf Gesundheitseinrichtungen oder Beschäftigte verletzen die medizinische Neutralität und verstoßen gegen das internationale Menschenrecht.“

08:30 Uhr – Ukraine: Bislang über 11.000 russische Soldaten getötet

Seit Beginn der russischen Invasion am 24. Februar sind nach Angaben des Generalstabes der ukrainischen Streitkräfte mehr als 11.000 russische Soldaten getötet worden. Am Samstag war noch von mehr als 10.000 Toten die Rede. Wie viele ukrainische Soldaten in dem Krieg getötet oder verletzt wurden, teilt der Generalstab nicht mit.

08:21 Uhr – Sberbank will Versorgung ohne Visa und Mastercard absichern

Russlands größte Bank – die Sberbank – will auch nach der Abschaltung der Kreditkarten von Visa und Mastercard absichern, dass die Menschen mit ihren Karten bezahlen und Geld abheben können. Wer aber im Ausland lebe, solle jetzt noch rasch Geld mit den Karten abheben oder größere Ausgaben bezahlen, bevor die Systeme nicht mehr funktionierten, teilte die Bank mit. Die mit dem Logo Mir versehenen Geldkarten sollen den Angaben zufolge auch noch weiter in der Türkei, in Zypern und in einigen anderen Ländern funktionieren, hieß es. Mir ist ein Zahlungssystem der russischen Zentralbank.

Auch bei Zahlungen innerhalb Russlands in Geschäften, im Online-Handel oder bei Überweisungen werde die Abschaltung von Visa und Mastercard keine Auswirkungen haben, teilte die Sberbank weiter mit. Die Bankgeschäfte könnten unabhängig von den internationalen Systemen erledigt werden, hieß es. Zahlungen im Ausland würden „eingeschränkt“. Die Bank ist noch nicht mit Sanktionen belegt.

Die beiden weltgrößten Kreditkartenanbieter Visa und Mastercard setzen ihre Geschäfte in Russland wegen Moskaus Krieg gegen die Ukraine aus. Der Prozess soll einige Tage in Anspruch nehmen. Danach würden in Russland ausgestellte Karten nicht mehr im Ausland funktionieren. Kreditkarten, die von Finanzinstituten außerhalb des Landes ausgestellt wurden, könnten dann in Russland nicht mehr eingesetzt werden, heiß es.

08:10 Uhr – Deutsche Botschaft reagiert undiplomatisch auf russischen Tweet

Pretoria (dpa) – Eine ungewöhnliche Reaktion der deutschen Botschaft in Südafrika auf einen Tweet der dortigen diplomatischen Vertretung Russlands hat in den sozialen Medien für Aufsehen gesorgt. Die russische Botschaft hatte sich im Kurznachrichtendienst Twitter für „zahlreiche Solidaritätsschreiben von Südafrikanern – sowohl Einzelpersonen wie Organisationen“ bedankt und geschrieben: „Wir schätzen Ihre Unterstützung und sind froh, dass Sie heute an unserer Seite stehen, da Russland – wie vor 80 Jahren – den Nazismus in der Ukraine bekämpft.“

Die Deutsche Botschaft in der Hauptstadt Pretoria reagierte darauf mit dem Hinweis: „Sorry, aber da können wir nicht still bleiben, das ist einfach zu zynisch.“ Russland schlachte in der Ukraine aus Eigennutz Männer, Frauen und Kinder ab, das sei definitiv keine Nazi-Bekämpfung. „Schande auf jeden, der drauf reinfällt“, heißt es in der Reaktion, die mit dem Nebensatz in Klammern endet: („Leider sind wir eine Art Experten, wenn es um Nazismus geht).

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07:54 Uhr – Britischer Geheimdienst: Russland greift besiedelte Gebiete an

Das russische Militär greift nach Angaben des britischen Militärgeheimdienstes in der Ukraine besiedelte Gebiete in einer Weise an wie in Tschetschenien 1999 und in Syrien 2016. Ziele seien unter anderem die Städte Charkiw, Tschernihiw und Mariupol, heißt es im jüngsten Geheimdienst-Bericht.

Die tschetschenische Hauptstadt Grosny und das syrische Aleppo wurden damals durch russische Angriffe aus der Luft und vom Boden aus weitgehend zerstört. Die russische Führung hat wiederholt erklärt, in der Ukraine werde nur militärische Infrastruktur angegriffen, nicht aber die Zivilbevölkerung.

Das Ausmaß und die Stärke des Widerstandes der Ukrainer überrascht Russland nach Einschätzung des britischen Militärgeheimdienstes noch immer. Darauf reagiere das russische Militär mit dem Angriff auf Siedlungsgebiete. Der Vormarsch der russischen Truppen werde durch ukrainische Angriffe auf die Nachschublinien verlangsamt, heißt es weiter.

06:36 Uhr – Männer aus In- und Ausland gehen zum ukrainischen Militär

Hunderte Männer haben sich in Kiew als Freiwillige für das ukrainische Militär gegen Russland zur Verfügung gestellt. Gemäß einer Anordnung der ukrainischen Regierung dürfen Männer im Alter von 18 bis 60 Jahren die Ukraine nicht verlassen, falls sie zum Militär eingezogen werden sollen. Wolodymyr Onysko kam ohne Zwang, um sich den Streitkräften anzuschließen. „Wir wissen, warum wir hier sind. Wir wissen, warum wir unser Land verteidigen“, sagte Onysko dem britischen Sender Sky News. Sie wüssten, was sie tun, „und deshalb werden wir gewinnen“.

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Ukrainischer Außenminister

Der britische Militärveteran Mark Ayres kam aus dem Ausland in die Ukraine, um zu helfen. Die Ukrainer seien eine Inspiration gewesen, sagte Ayres. „Ich mache mir keine Illusionen.“ Er denke sich nicht, dass er einen Unterschied machen werde oder ein Held sein werde.

06:30 Uhr – Selenskyj – „Wir müssen kämpfen!“

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj forderte seine Landsleute in einer Videobotschaft auf, die russischen Truppen zu vertreiben. „Wir müssen nach draußen gehen! Wir müssen kämpfen! Wann immer sich eine Gelegenheit bietet.“

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Die Menschen sollten wie in Cherson, Berdjansk oder Melitopol nach draußen gehen „und dieses Übel aus unseren Städten vertreiben“. Aus den genannten ukrainischen Städten war berichtet worden, dass sich unbewaffnete Menschen russischen Einheiten entgegengestellt hatten.

06:00 Uhr – Putin: Flugverbotszone ist „rote Linie“

Der russische Präsident Wladimir Putin hat am Samstag betont, die Schaffung einer Flugverbotszone über der Ukraine sei für Moskau eine rote Linie. Ein solcher Schritt würde „kolossale und katastrophale Folgen nicht nur für Europa, sondern für die ganze Welt“ haben, sagte er bei einem Treffen mit Mitarbeitern der russischen Airline Aeroflot.

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Alexander Boris de Pfeffel Johnson - britischer Publizist, Politiker der Conservative Party und Premierminister des Vereinigten Königreichs - Großbritannien UK England - hier aufgenommen in 10 Downing Street London

Die Ukraine warnte der russische Präsident mit drastischen Worten vor dem Verlust ihrer Souveränität. „Die derzeitigen Machthaber (in Kiew) müssen verstehen, dass sie die Zukunft der ukrainischen Staatlichkeit in Frage stellen, wenn sie weiterhin tun, was sie tun. Und wenn das passiert, werden sie die volle Verantwortung dafür tragen.“

05:55 Uhr – Sberbank – Kreditkarten in Russland weiterhin einsetzbar

Die russische Großbank Sberbank Rossii PAO bestreitet Auswirkungen der Schritte der Kreditkarten-Unternehmen Mastercard und Visa auf Kunden in Russland. Dies berichtet die russische Nachrichtenagentur Tass. Die beiden Unternehmen haben ihre Geschäfte in Russland ausgesetzt. Sie erklärten, von dortigen Banken ausgestellte Kreditkarten würden nicht mehr unterstützt. Die Sberbank sagte Tass, ihre Kunden seien weiterhin in der Lage, Bargeld abzuheben, Überweisungen zu tätigen und sowohl in Offline-Geschäften als auch in russischen Internetshops mit Kreditkarte zu bezahlen. Die Transaktionen liefen in Russland über das nationale Zahlungskartensystem, das nicht von ausländischen Zahlungssystemen abhängig sei, so Tass.

03:23 Uhr – Rund 1,5 Millionen Menschen auf der Flucht

Die Zahl der Flüchtlinge aus der Ukraine soll am Sonntag 1,5 Millionen erreichen. Elf Tage nach dem russischen Einmarsch in die Ukraine halten die heftigen Kämpfe dort an. Die Regierungen in Moskau und Kiew beschuldigen sich gegenseitig einen Waffenstillstand zur Evakuierung von Zivilisten in Mariupol und Wolnowacha gebrochen zu haben. Die meisten Menschen aus den beiden von russischen Streitkräften belagerten Städten mussten daher bisher in der Kampfzone bleiben.

Geflüchtete Ukrainer, vor allem Frauen, an der ukrainischen Grenze im polnischen Dorf Medyka

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Quelle: AP/Markus Schreiber

03:21 Uhr – Kanada ruft Staatsbürger zum Verlassen Russlands auf

Kanada hat seine Bürger in Russland zum Verlassen des Landes aufgefordert. „Wenn Sie sich in Russland aufhalten, sollten Sie gehen, solange kommerzielle Mittel noch verfügbar sind“, hieß es in einer am Samstag veröffentlichten Reisewarnung des kanadischen Außenministeriums. Kanadier werden darin „wegen der Auswirkungen des bewaffneten Konflikts mit der Ukraine“ aufgefordert, „alle Reisen nach Russland zu vermeiden“.

Bislang hatte Kanada seinen Bürgern von nicht-zwingenden Reisen nach Russland abgeraten. In der verschärften Reisewarnung hieß es nun, die gegen Russland verhängten westlichen Sanktionen könnten „wesentliche Auswirkungen auf die Verfügbarkeit und Bereitstellung wesentlicher Dienste“ haben. „Die Verfügbarkeit von Flügen“ könnte demnach bald „extrem begrenzt“ sein.

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Das kanadische Außenministerium verwies auch auf die „ernste Beschränkung der Meinungsfreiheit“ in Russland durch das am Freitag verabschiedete neue Mediengesetz. Ausländische Journalisten und Medienschaffende seien in Russland „erheblichen Risiken“ wegen des Gesetzes ausgesetzt, warnte das Ministerium. Kanadier in Russland rief es auf, nicht an Protesten gegen die russische Ukraine-Invasion teilzunehmen und keine Informationen über die derzeitigen Entwicklungen in Russland und der Ukraine zu veröffentlichen.

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02:58 Uhr – US-Außenminister Blinken zu Gesprächen beim Verbündeten Moldau

US-Außenminister Antony Blinken wird nach seinem Treffen mit dem ukrainischen Außenminister Dmytro Kuleba zu Beratungen mit dem Nato-Verbündeten Moldau in der Hauptstadt Chisinau erwartet. Blinken treffe sich an diesem Sonntag zunächst mit der moldauischen Ministerpräsidentin Natalia Gavrilita, teilte das US-Außenministerium mit.

Anschließend sei eine Unterredung mit Moldaus Präsidentin Maia Sandu sowie Blinkens Amtskollegen Nicu Popescu geplant. Dabei dürfte es unter anderem um den russischen Invasionskrieg in das Nachbarland Ukraine gehen. Mit Vertretern der Zivilgesellschaft will sich Blinken in der Hauptstadt auch über Fragen der EU-Integration austauschen.

US-Außenminister Blinken besucht NATO-Truppen in Polen

In der südostpolnischen Stadt Rzeszow trifft US-Außenminister Antony Blinken seinen polnischen Amtskollegen Zbigniew Rau. Themen des Gespräches sind die Sicherheitslage und die Lage der ukrainischen Flüchtlinge. Nach einem Besuch der NATO-Truppen hält Blinken eine Pressekonferenz.

Blinken ist zu Gesprächen mit Verbündeten in Europa. Am Samstag hatte er im südostpolnischen Rzeszow seinen polnischen Kollegen Zbigniew Rau getroffen. Danach überquerte er die Grenze zur Ukraine und kam mit Außenminister Kuleba zusammen. Der Minister dankte Blinken dafür, dass er in die Ukraine gekommen sei. Das sei ein Zeichen, dass die Ukraine Freunde haben, „die buchstäblich zu uns stehen“.

02:37 Uhr – US-Regierung verurteilt russisches Mediengesetz

Die amerikanische Regierung verurteilt das neue russische Mediengesetz. „Wir verurteilen die Entscheidung des russischen Föderationsrates, ein Gesetz zu verabschieden, das Journalisten Gefängnisstrafen von bis zu 15 Jahren androht“, teilte Emily Horne, Sprecherin des Nationalen Sicherheitsrates des Weißen Hauses, mit.

Das russische Gesetz betrifft alle Personen, die Nachrichten über die russischen Streitkräfte verbreiten, die die russische Regierung als Falschinformationen bezeichnet. Mehrere internationale Medienorganisationen, darunter auch ARD und ZDF, haben seit der Verabschiedung des Gesetzes am Freitag ihre Berichterstattung aus Moskau bis auf Weiteres eingestellt. Sie wollen von anderen Standorten über den Krieg in der Ukraine und die Situation in Russland berichten.

02:33 Uhr – Auch US-Radiosender Radio Free Europe stellt Arbeit ein

Der US-Radiosender Radio Free Europe stellt seine Arbeit in Russland ebenfalls ein. Zur Begründung nannte der Sender ein von den russischen Steuerbehörden eingeleitetes Insolvenzverfahren gegen die russische Niederlassung des Senders, erhöhten Druck der Polizei auf seine Journalisten sowie das neue Mediengesetz in Russland. Diese Entscheidung sei dem Sender durch den „Angriff des Putin-Regimes auf die Wahrheit“ aufgezwungen worden, sagte der Chef des Unternehmens, Jamie Fly, am Samstagabend (Ortszeit) in einer Mitteilung. Man plane, über Russlands „katastrophale Invasion“ in die Ukraine von außerhalb zu berichten.

Radio Free Europa ist seit 1991 in Russland mit einem eigenen Büro vertreten. „Nach Jahren der Drohungen, Einschüchterungen und Belästigungen unserer Journalisten brandmarkt der Kreml, der verzweifelt versucht, russische Bürger daran zu hindern, die Wahrheit über seinen illegalen Krieg in der Ukraine zu erfahren, nun ehrliche Journalisten als Verräter des russischen Staates“, erklärte Fly.

01:45 Uhr – Scholz und Bennett vereinbaren weiterhin „engen Austausch“ über Ukraine-Krieg

In einem kurzfristig anberaumten Treffen haben sich Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) und der israelische Ministerpräsident Naftali Bennett über den Ukraine-Krieg ausgetauscht. Wie Regierungssprecher Steffen Hebestreit in der Nacht zum Sonntag mitteilte, informierte Bennett den Kanzler bei einem 90-minütigen Gespräch in Berlin über die Ergebnisse einer Unterredung, die er am Samstag mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin in Moskau gehabt hatte.

Scholz und Bennett hätten vereinbart, „in der Angelegenheit weiterhin eng in Kontakt zu bleiben – gemeinsames Ziel bleibe es, den Krieg in der Ukraine so schnell wie irgend möglich zu beenden“, hieß es in der Erklärung. Zuvor hatte Selenskyj Bennett um Vermittlung gebeten. Israel unterhält gute Beziehungen sowohl zur Ukraine als auch zu Russland.

Bennett war am Samstag überraschend als Vermittler im Ukraine-Konflikt nach Moskau gereist und hatte dort drei Stunden lang mit Putin gesprochen. Nach Angaben eines israelischen Regierungssprechers informierte Bennett nach dem Treffen den ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj. Anschließend flog er nach Berlin.

Kanzler Olaf Scholz mit dem israelischen Ministerpräsidenten Naftali Bennett im Kanzleramt am Samstagabend

Kanzler Olaf Scholz mit dem israelischen Ministerpräsidenten Naftali Bennett im Kanzleramt am Samstagabend

Quelle: dpa/Jesco Denzel

Der ukrainische Präsident Selenskyj schrieb auf Twitter, dass Bennett ihn nach dem Gespräch mit Putin angerufen habe. Auch mit US-Präsident Joe Biden telefonierte Selenskyj am Samstag erneut, wie er per Twitter erklärte.

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Ukrainischer Außenminister

US-Präsident Biden habe über die laufenden Bemühungen gesprochen, Russland wirtschaftliche Kosten aufzuerlegen und die militärische, humanitäre und wirtschaftliche Hilfe der USA für die Ukraine zu beschleunigen.

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Wie das Weiße Haus mitteilte, haben die beiden während eines mehr als 30-minütigen Telefonats am frühen Sonntag in der Ukraine auch über Gespräche zwischen Russland und der Ukraine gesprochen, nannte aber keine weiteren Einzelheiten.Selenskyj schrieb auf Twitter, die beiden Präsidenten hätten über Sicherheit, finanzielle Unterstützung für die Ukraine und die Fortsetzung der Sanktionen gegen Russland gesprochen.

01:30 Uhr – Faeser – Aufnahme von Ukraine-Flüchtlingen unabhängig von Nationalität

Deutschland wird nach den Worten von Bundesinnenministerin Nancy Faeser alle Flüchtlinge aus der Ukraine unabhängig von ihrer Nationalität aufnehmen. „Wir wollen Leben retten. Das hängt nicht vom Pass ab“, sagt Faeser der „Bild am Sonntag“ laut Vorabbericht.

Der allergrößte Teil der Geflüchteten seien Ukrainerinnen und Ukrainer. Menschen aus anderen Staaten, die in der Ukraine schon ein dauerhaftes Aufenthaltsrecht hätten, brächten diesen Status mit. Auch sie müssten kein aufwendiges Asylverfahren durchlaufen. Die Bundespolizei habe die Kontrollen an den Grenzen intensiviert.

01:01 Uhr – Elon Musks Starlink-Internet ist jetzt in der Ukraine

Elon Musk hat der Ukraine Zugang zum Satelliten-Internet-System Starlink seines Unternehmens gewährt. Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj bedankte sich bei dem SpaceX-Chef in einem Tweet mit den Worten, er sei dankbar, dass Musk die Ukraine mit Worten und Taten unterstütze. „Nächste Woche werden wir eine weitere Lieferung von Starlink-Systemen für zerstörte Städte erhalten.“ Dann scherzte er, sie hätten über mögliche Weltraumprojekte gesprochen, über die er nach dem Krieg sprechen werde.

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Vitali Klitschko (r.) und sein Bruder Wladimir

Vitali und Wladimir Klitschko

Der Kiewer Bürgermeister Vitali Klitschko zeigte am Samstag eine Lieferung von Starlink-Systemen, die in der Hauptstadt eingetroffen war. Starlink werde dazu beitragen, die Arbeit der kritischen Infrastruktur und die Verteidigung der Stadt zu sichern, sagte Klitschko. Mehrere ukrainische Großstädte waren nach dem Beschuss durch russische Truppen ohne Internet- oder Telefonverbindung geblieben.

01:00 Uhr – Auswärtiges Amt mahnte zu “äußerster Zurückhaltung“ bei Äußerungen im Internet

Das Auswärtige Amt hat angesichts des neuen russischen Mediengesetzes zu Zurückhaltung auch bei privaten Äußerungen im Internet aufgerufen. „Auch private Äußerungen in sozialen Medien können nach diesem neuen Gesetz in der Russischen Föderation mit unberechenbaren persönlichen“ Risiken verbunden sein„, warnte das Auswärtige Amt am Samstag in einer Aktualisierung seiner Reise- und Sicherheitshinweise für Russland. Deutsche in Russland mahnte es zu “äußerster Zurückhaltung„ und riet “alternativ zur Ausreise“.

Der russische Präsident Wladimir Putin hatte am Freitag vor dem Hintergrund der Ukraine-Invasion ein Gesetz unterzeichnet, das drakonische Haftstrafen gegen missliebige Berichterstattung über die russische Armee vorsieht. Bis zu 15 Jahre Haft drohen demnach für die Verbreitung von “Falschnachrichten„ über die Armee. Auch Ausländer sind von dem Gesetz betroffen. 

Das Auswärtige Amt sprach in seinen Reisehinweisen von einer möglichen willkürlichen “Verhängung hoher Haftstrafen für öffentliche Äußerungen„. Dies schränke die Arbeit ausländischer Journalisten und Medienschaffenden in Russland weiter ein. Das neue Gesetz habe “namhafte westliche Medien dazu veranlasst, ihre Tätigkeit in Russland kurzfristig einzustellen“.

Deutsche und ausländische Medien ziehen ihre Mitarbeiter aus Moskau ab

Bis zu 15 Jahre Haft für vermeintliche Fake News. Der russische Präsident hat die Pressefreiheit in seinem Land noch weiter eingeschränkt, die meisten sozialen Netzwerke sind gesperrt. Neben ARD und ZDF ziehen auch ausländische Medien ihre Mitarbeiter aus Moskau ab.

Quelle: WELT / Alina Quast

Als Reaktion auf den Erlass des russischen Mediengesetzes hatten zuerst die britische Rundfunkanstalt BBC, die Nachrichtenagentur Bloomberg und die kanadische Rundfunkanstalt CBC angekündigt, die Arbeit ihrer Journalisten in Russland bis auf weiteres einzustellen. Der US-Sender CNN stellte seinen Sendebetrieb in Russland ein. Am Samstag gaben dann auch ARD und ZDF eine Aussetzung ihrer Berichterstattung aus ihren Moskauer Studios bekannt. Auch der italienische Sender RAI und mehrere spanische Medien kündigten an, ihre Aktivitäten in Russland vorerst einzustellen.

00:20 Uhr – Russisches Flugzeug mit Ausnahmegenehmigung in Washington

Mit einer Ausnahmegenehmigung ist am Samstag ein russisches Flugzeug in der US-Hauptstadt Washington gelandet, um russische UN-Diplomaten abzuholen, die der Spionage bezichtigt werden. Dies bestätigte eine Sprecherin des US-Außenministeriums. So solle die pflichtgemäße Ausreise der Diplomaten und ihrer Familien erleichtert werden. Die USA haben wegen des russischen Angriffskriegs in der Ukraine ein Flugverbot gegen russische Flugzeuge verhängt.

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Die USA hatten am Montag die Ausweisung von zwölf Mitarbeitern der russischen UN-Mission angekündigt, die ihren diplomatischen Status in den USA „durch Spionagetätigkeiten missbraucht“ hätten. Am nächsten Tag ordneten sie auf derselben Grundlage die Ausreise eines russischen Staatsbürgers ebenfalls bis zum 7. März an, der im Sekretariat der Vereinten Nationen arbeitete.

Der russische Botschafter in den USA, Anatoli Antonow, wies die Vorwürfe zurück und sprach von „einem feindlichen Schritt“ gegen sein Land. Für die russische UN-Mission sollen etwa hundert Menschen arbeiten.

00:07 Uhr – Lambrecht: Soldaten sollen bessere persönliche Ausstattung bekommen 

Verteidigungsministerin Christine Lambrecht (SPD) will mit den zusätzlichen Mitteln für die Bundeswehr vor allem auch die persönliche Ausstattung der Soldaten verbessern. „Unsere Soldatinnen und Soldaten leisten ihren Dienst mit beeindruckendem Engagement und höchster Professionalität – sie sichern unsere Freiheit. Deshalb verdienen sie die bestmögliche Ausstattung“, sagte sie der „Bild am Sonntag“. Sie habe Generalinspekteur Eberhard Zorn beauftragt, „mit Priorität die persönliche Ausrüstung der Truppe schnellstmöglich zu verbessern. Das steht jetzt ganz weit oben auf meiner Agenda.“

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Der Präsident des Reservistenverbandes, Patrick Sensburg (CDU), sagte der Zeitung: „Auch moderne Kommunikationsmittel sind nicht in ausreichender Zahl vorhanden.“ Die Marine brauche Patrouillenboote und größere Schiffe. Aber dafür brauche es Personal. Sensburg fordert, die Zahl der Soldaten von derzeit etwa 184 000 auf „deutlich über 200 000“ zu erhöhen.

23:56 Uhr – Visa und Mastercard stellen Betrieb in Russland vorläufig ein

Wegen des russischen Einmarschs in die Ukraine setzen die beiden weltgrößten Kreditkartenanbieter, Visa und Mastercard, ihre Geschäfte in Russland aus. Visa werde mit Kunden und Partnern in Russland zusammenarbeiten, „um alle Visa-Transaktionen in den kommenden Tagen einzustellen“, teilte das Unternehmen am Samstag mit. Danach würden in Russland ausgestellte Karten nicht mehr im Ausland funktionieren. Kreditkarten, die von Finanzinstituten außerhalb des Landes ausgestellt wurden, könnten in Russland nicht mehr eingesetzt werden. Mastercard kündigte identische Schritte an.

Visa-Chef Al Kelly sagte laut der Mitteilung, man bedauere die Auswirkungen, die die Maßnahme auf Mitarbeiter sowie Kunden, Partner, Händler und Karteninhaber in Russland haben werde. „Dieser Krieg und die anhaltende Bedrohung des Friedens und der Stabilität erfordern, dass wir darauf im Einklang mit unseren Werten antworten.“ Mastercard teilte mit, man habe sich die Entscheidung nicht leicht gemacht. „Mastercard ist seit mehr als 25 Jahren in Russland tätig.“ Den fast 200 Mitarbeitern werde der Lohn weitergezahlt. Wenn es „angemessen und rechtlich zulässig“ sei, wolle man den Betrieb wieder aufnehmen.

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Visa und Mastercard hatten bereits zuvor keine Transaktionen mehr für russische Banken abgewickelt, die von internationalen Sanktionen wegen des Ukraine-Krieges betroffen sind. Das „Wall Street Journal“ berichtete kürzlich, im Jahr 2020 seien von den in Russland ausgegebenen Debit- und Kreditkarten rund 74 Prozent der Zahlungsvorgänge im Land auf Visa- und Mastercard-Karten entfallen.

22:38 Uhr – USA versprechen Ukraine Freigabe von Zehn-Milliarden-Dollar-Hilfen

Mitglieder des US-Kongresses haben dem ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj die Freigabe der vom Weißen Haus beantragten zehn Milliarden Dollar (neun Milliarden Euro) versprochen. Nach einer Videoschalte mit Selenskyj am Samstag sagte der republikanische Senator Steve Daines dem Sender Fox News, alle seien „in unserer Unterstützung für die Ukraine geeint“.

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Mit dem Geld soll nach Angaben des Weißen Hauses zusätzliche humanitäre, sicherheitstechnische und wirtschaftliche Unterstützung „in der Ukraine und der Nachbarregion“ finanziert werden. Selenskyj unterstrich in dem Videotelefonat auch seine Forderung nach schärferen Sanktionen gegen Russland, vor allem im Öl- und Gassektor. Dies lehnt das Weiße Haus bislang ab.

20 Uhr – Bennett nach Besuch bei Putin in Berlin gelandet

Der israelische Ministerpräsident Naftali Bennett ist am Samstag als Vermittler im Ukraine-Konflikt zu einem Treffen mit Russlands Präsident Wladimir Putin nach Moskau gereist. Bennett habe sich zu einem kurzen Arbeitsbesuch in Moskau aufgehalten, sagte Kremlsprecher Dmitri Peskow am Samstagabend nach Angaben der Agentur Interfax. Das Büro Bennetts bestätigte den Besuch ebenfalls und gab an, das Treffen habe zweieinhalb Stunden gedauert. Laut dem Elysée-Palast telefonierte Bennett davor auch mit Frankreichs Präsident Emmanuel Macron.

Nach dem Gespräch mit Putin folgte für Bennett ein Telefonat mit dem ukrainischen Premierminister Wolodymyr Selenskyj, dann reiste er von Moskau nach Berlin weiter, wo er am späten Abend zu einem Treffen mit Bundeskanzler Olaf Scholz erwartet wird. Das bestätigte die Bundesregierung auf Anfrage von WELT. Erst am Dienstag war Scholz selbst zu seinem Antrittsbesuch in Jerusalem. Das Treffen wurde auch vom Büro Bennett in Israel bestätigt.

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Nach dessen Angaben war bei dem Treffen mit Putin auch der israelische Wohnungsbauminister Seew Elkin zugegen, der bei der Übersetzung helfe. Elkin stammt aus der ukrainischen Stadt Charkiw und gilt als Putin-Kenner. Er hatte auch stets bei den Treffen von Bennetts Amtsvorgänger Benjamin Netanjahu mit Putin teilgenommen.

Die Gespräche zwischen der Ukraine und Russland gehen unterdessen in die nächste Runde. „Die dritte Runde der Verhandlungen wird am Montag stattfinden“, erklärte der Parlamentsvorsitzende der ukrainischen Regierungspartei „Diener des Volkes“, David Arachamia, am Samstag bei Facebook.

Später sagte der russische Außenpolitiker Leonid Sluzki im Staatsfernsehen: „Die dritte Runde kann wirklich in den nächsten Tagen stattfinden. Möglich ist es am Montag, dem 7. (März).“ Zunächst war mit weiteren Gesprächen bereits an diesem Wochenende gerechnet worden.

Bei der zweiten Verhandlungsrunde zwischen der Ukraine und Russland hatten sich beide Seiten am Donnerstag auf die Schaffung humanitärer Korridore verständigt, um Zivilisten aus Kampfgebieten herausholen zu können. Eine von Kiew geforderte Feuerpause wurde von den Unterhändlern Moskaus abgelehnt.

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Ukraine-News im Liveticker: Russische Truppen bereiten laut Selenskyj Bombardierung von Odessa vor – WELT

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